Schweiz · Hütten-Guide

Selbstversorgerhütten und Winterräume in der Schweiz

Unbewartete Hütten ermöglichen ruhigere und freiere Mehrtagestouren. Dafür müssen Wasser, Wärme, Essen, Schlafplatz und Bezahlung selbst geklärt werden.

Einfacher Winterraum einer Schweizer Berghütte
Ein Winterraum kann eine Tour ausserhalb der bewarteten Saison möglich machen. Er sagt aber nichts darüber aus, ob der Zustieg gerade sicher ist.

Fünf Punkte zuerst

Kurz gesagt

  • Der Unterschied Ein Winterraum gehört meist zu einer geschlossenen Haupthütte; eine Selbstversorgerhütte ist dauerhaft unbewartet organisiert.
  • Vorher klären Öffnung, Reservation, Wasser, Holz, Kochmöglichkeit, Schlafausrüstung und Bezahlung.
  • Nicht automatisch leer Auch kleine Winterräume können an schönen Wochenenden voll werden.
  • Mein Hauptpunkt Eine offene Hütte bedeutet nicht, dass der Zustieg sicher oder schneefrei ist.
  • Für den Anfang Eine gut erreichbare, gut dokumentierte Hütte mit einfacher Rückzugsmöglichkeit wählen.

In den Schweizer Alpen gibt es neben den klassischen bewarteten SAC-Hütten noch eine zweite Form der Übernachtung, die ich für selbst geplante Mehrtagestouren teilweise sogar interessanter finde: Selbstversorgerhütten und Winterräume.

Winterräume findet man häufig als Teil einer größeren SAC-Hütte. Daneben gibt es insbesondere im Tessin, aber auch in Graubünden, im Wallis und in anderen Regionen zahlreiche vollständig unbewartete Hütten und Rifugi, die von Gemeinden, Patriziaten, lokalen Vereinen oder privaten Organisationen betrieben werden.

Gerade für etwas abgelegenere Zwei- und Dreitagestouren eröffnen diese Hütten meiner Meinung nach sehr viele Möglichkeiten. Man ist nicht daran gebunden, genau dort zu übernachten, wo eine große bewartete SAC-Hütte steht, und kann dadurch wesentlich freier eigene Routen durch die Alpen zusammenstellen.

Der größte Vorteil liegt für mich in drei Dingen: Sie sind deutlich günstiger, häufig wesentlich ruhiger und geben einem viel mehr Freiheit bei der Tourenplanung.

Der Nachteil ist genauso offensichtlich: Man muss deutlich mehr selbst organisieren.

Es wartet kein Hüttenwirt mit Abendessen. Man weiß nicht automatisch, ob Wasser vorhanden ist, ob der Ofen funktioniert, ob Strom vorhanden ist und wie warm der Schlafraum tatsächlich wird. Genau deshalb sollte man eine Selbstversorgerhütte etwas anders planen als eine normale SAC-Hüttennacht.

Winterraum und Selbstversorgerhütte sind nicht das Gleiche

Die beiden Begriffe werden relativ schnell miteinander vermischt, funktionieren aber etwas unterschiedlich.

Ein Winterraum gehört normalerweise zu einer größeren, während eines Teils des Jahres bewarteten Berghütte. Wenn die Haupthütte geschlossen ist, bleibt teilweise ein kleinerer Bereich zugänglich. Das kann ein separates Gebäude sein, ein einzelner Schlafraum mit kleiner Küche oder ein abgetrennter Teil der normalen Hütte.

Schneefreie Alpsiedlung am Beginn eines Winterraumzustiegs
Bei einer unserer Touren begann der Tag schneefrei. Weiter oben änderten sich die Bedingungen vollständig.

Die Ausstattung unterscheidet sich enorm.

Bei der Capanna Motterascio beispielsweise gibt es außerhalb der Bewartungszeit einen Winterraum mit zehn Schlafplätzen und Decken. Holz und einige grundlegende Dinge sind vorhanden, Wasser dagegen nicht immer garantiert und auch die sanitären Möglichkeiten sind außerhalb der Saison deutlich eingeschränkter.

Andere Winterräume können wesentlich einfacher oder auch komfortabler sein.

Wichtig ist dabei: Ein Winterraum ist nicht automatisch immer geöffnet, nur weil die Haupthütte geschlossen ist. Umbauten, Schäden, Sicherheitsmaßnahmen oder andere betriebliche Gründe können dazu führen, dass auch der Winterraum zeitweise nicht zugänglich ist. Deshalb prüfe ich vor jeder Tour die aktuelle Seite der konkreten Hütte.

Eine Selbstversorgerhütte ist dagegen von vornherein darauf ausgelegt, ohne dauerhaft anwesenden Hüttenwart benutzt zu werden. Sie hat also während ihrer Öffnungszeit grundsätzlich dieselbe Funktion: Man kommt an, organisiert Heizung, Essen und Wasser selbst und hinterlässt die Hütte anschließend wieder ordentlich.

Gerade im Tessin gibt es erstaunlich viele solcher kleinen Hütten.

Warum ich Selbstversorgerhütten gerne nutze

Der offensichtlichste Vorteil ist zunächst der Preis.

Bei den Selbstversorgerhütten, die ich bisher benutzt habe, lag die Übernachtung häufig nur bei ungefähr 10 bis 25 Franken pro Person. Das ist natürlich keine allgemeingültige Schweizer Preisliste – jede Hütte beziehungsweise jeder Betreiber legt seine eigenen Preise fest –, aber es ist erheblich günstiger als eine normale bewartete Hüttennacht.

Bei privaten Selbstversorgerhütten gibt es häufig auch keinen SAC-Mitgliederrabatt, da die Hütte überhaupt nicht dem SAC gehört.

Der zweite Vorteil ist für mich die Ruhe.

Natürlich gibt es sehr bekannte Selbstversorgerhütten, die an schönen Herbstwochenenden ebenfalls voll werden können. Besonders im Tessin habe ich aber auch Hütten erlebt, in denen wir entweder vollständig alleine waren oder nur mit einer oder zwei weiteren Personen übernachtet haben.

Das unterscheidet sich stark von einer großen bewarteten Hütte mit vielleicht 70 oder 100 Gästen.

Und dann ist da noch die Flexibilität.

Gerade bei selbst geplanten Routen eröffnet eine kleine unbewartete Hütte unter Umständen plötzlich eine komplett neue Linienführung. Man muss nicht zwingend von einer großen SAC-Hütte zur nächsten laufen, sondern kann Seitentäler, weniger bekannte Übergänge und kleinere Hütten miteinander kombinieren.

Genau darin liegt für mich wahrscheinlich der größte Reiz.

Besonders interessant in Frühjahr und Herbst

Winterräume sind außerdem ein wichtiger Bestandteil meiner Wanderplanung außerhalb der normalen Sommersaison.

Viele bewartete Hütten schließen irgendwann im September oder Oktober. Die Berge sind deswegen natürlich nicht plötzlich unzugänglich.

Gerade im Oktober kann es noch längere Perioden mit sehr guten Wanderbedingungen geben. In dieser Zeit kann ein Winterraum eine sehr interessante Möglichkeit sein, noch eine Mehrtagestour zu unternehmen, obwohl der normale Hüttenbetrieb bereits eingestellt wurde.

Das Gleiche gilt teilweise im Frühjahr.

Allerdings sollte man hier sehr vorsichtig mit allgemeinen Aussagen sein. Ein Winterraum ist nicht automatisch immer offen und die genauen Öffnungszeiten unterscheiden sich von Hütte zu Hütte.

Eine einzelne Spur durch tiefen Schnee
Gerade in der Randsaison können ein nützlicher Winterraum und ein anspruchsvoller Zustieg gleichzeitig existieren.

Deshalb überprüfe ich vor jeder einzelnen Tour die aktuelle Hüttenseite oder kontaktiere bei Unsicherheit direkt die Sektion beziehungsweise den Betreiber.

Wie finde ich Selbstversorgerhütten?

Mein wichtigstes Werkzeug dafür ist das SAC-Tourenportal.

Dort findet man nicht nur klassische SAC-Hütten, sondern auch zahlreiche andere Hütten, Rifugi und Unterkünfte in den Schweizer Alpen. In den jeweiligen Einträgen stehen häufig Schlafplätze, Bewartungszeiten, vorhandene Schutzräume, Telefonnummern und Links zu den Betreibern.

Für die eigentliche Routenplanung benutze ich zusätzlich Outdooractive und die swisstopo-Karte.

Google Maps kann hilfreich sein, um ein paar Fotos zu sehen und einen ersten Eindruck zu bekommen. Als eigentliche Informationsquelle für eine abgelegene Selbstversorgerhütte reicht es mir aber nicht.

Gerade bei solchen Hütten können sich Bedingungen relativ schnell ändern.

Eine Wasserleitung kann für die Saison abgestellt sein, eine Solaranlage funktioniert nicht mehr oder eine Hütte kann wegen Arbeiten vorübergehend geschlossen sein. Deshalb suche ich immer nach einer möglichst aktuellen Seite des Betreibers und rufe im Zweifel an.

Im Tessin bedeutet das natürlich teilweise auch, dass die Informationen hauptsächlich auf Italienisch vorhanden sind.

Muss man einen Winterraum reservieren?

Das ist von Hütte zu Hütte unterschiedlich.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass Winterräume einfach nach dem Prinzip First Come, First Served funktionieren.

Bei manchen Winterräumen ist eine Reservierung ausdrücklich notwendig. Bei anderen reicht eine Anmeldung, wiederum andere funktionieren ohne klassisches Reservierungssystem.

Selbstversorgerhütten können über ein Online-System, telefonisch oder direkt beim Betreiber reserviert werden. Manche Rifugi sind frei zugänglich, verlangen trotzdem eine vorherige Anmeldung.

Deshalb ist die Regel für mich relativ einfach:

Ich überprüfe jede Hütte einzeln und reserviere, sobald der Betreiber eine Möglichkeit dafür anbietet.

Gerade kleine Hütten können außerdem sehr schnell voll werden. Ein Winterraum mit zehn Plätzen fühlt sich mit vier Personen sehr angenehm an. Mit zehn Personen sieht das plötzlich ganz anders aus.

Nicht davon ausgehen, alleine zu sein

Die Chance, eine solche Hütte für sich zu haben, ist sicherlich größer als bei einer bewarteten SAC-Hütte.

Garantiert ist das aber keineswegs.

Hütten auf bekannten Höhenwegen oder an klassischen Übergängen können auch außerhalb der bewarteten Saison gut besucht sein, insbesondere an schönen Wochenenden im Herbst.

Unter der Woche oder in abgelegeneren Seitentälern sieht das häufig anders aus.

Bei unserer Übernachtung in der Camona da Medel gingen wir beispielsweise zunächst davon aus, den Winterraum vollständig für uns zu haben. Später kamen noch zwei andere Studenten aus Zürich auf der anderen Seite des Berges hoch.

Mit vier Personen war der Raum sehr angenehm.

Bei vollständiger Belegung wäre es meiner Meinung nach allerdings schon relativ eng geworden.

Gerade das sollte man bei diesen kleinen Hütten im Hinterkopf behalten.

Was kann man in einer Selbstversorgerhütte erwarten?

Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt komplett von der Hütte ab.

Fast immer gibt es natürlich irgendeine Form von Schlafplatz.

Matratzen, Decken und Kissen sind ebenfalls häufig vorhanden. Dazu kommen normalerweise Tische und Bänke beziehungsweise ein kleiner Aufenthaltsraum.

Beim Rest wird die Spannbreite enorm.

Eine sehr einfache Hütte kann im Grunde aus einem Schlafraum, einem Tisch und einem Holzherd bestehen.

Eine gut ausgebaute Selbstversorgerhütte kann dagegen fast den Komfort einer kleinen normalen SAC-Hütte erreichen.

Die Capanna Lèis ist dafür ein gutes Beispiel. Sie liegt auf 1.801 Metern in der Valle di Moleno und bietet 14 Schlafplätze. Es gibt eine Küche mit Holz- und Gasherd, Holzheizung, Solarlicht und sogar eine Dusche.

Das ist für eine Selbstversorgerhütte bereits sehr komfortabel.

Andere Hütten sind wesentlich einfacher.

Capanna Lèis unter den Bergen des Valle di Moleno
Die Capanna Lèis ist ungewöhnlich gut ausgestattet, bleibt durch ihren langen Zustieg aber abgelegen.

Genau deshalb lese ich die Ausstattung immer vorher nach.

Holzofen und Heizung

Sehr häufig ist ein Holzofen das Zentrum des ganzen Abends.

Damit kann man den Raum heizen und teilweise gleichzeitig kochen.

Feuerholz ist bei vielen Winterräumen und Selbstversorgerhütten vorhanden. Darauf sollte man sich natürlich trotzdem nur verlassen, wenn der Betreiber dies ausdrücklich angibt.

Und selbst wenn Holz vorhanden ist, gibt es ein kleines Problem, das ich inzwischen aus eigener Erfahrung kenne:

Holz bedeutet noch lange nicht, dass man problemlos ein Feuer anbekommt.

Ich habe mehr als einmal erlebt, dass ausreichend Brennholz vorhanden war, aber praktisch kein vernünftiger Anzünder.

Teilweise ist das Holz außerdem nicht vollständig trocken.

Deshalb nehme ich inzwischen immer ein Feuerzeug oder Streichhölzer und eine kleine Menge vernünftigen Anzünder mit.

Das wiegt praktisch nichts und kann einem am Abend erstaunlich viel Arbeit ersparen.

Man sollte gleichzeitig sparsam mit dem Holz umgehen.

Gerade in abgelegenen Hütten wird der Vorrat teilweise nur selten ergänzt. Das Holz, das man an einem Abend unnötig verbrennt, fehlt unter Umständen einigen Wochen später einem anderen Wanderer.

Kochen

Auch beim Kochen hängt alles von der konkreten Hütte ab.

Sehr häufig gibt es Töpfe, Pfannen, Teller, Besteck und irgendeine Form von Herd.

Das kann ein Gasherd sein oder ein klassischer Holzherd, auf dessen heiße Platte man seinen Topf stellt.

Ich halte das Essen in solchen Hütten bewusst einfach.

Eine Packung Nudeln mit Pesto, Couscous oder ein einfaches Instant-Gericht reichen für mich vollkommen aus.

Ich würde nicht darauf vertrauen, dass Öl, Salz, Gewürze oder andere Grundzutaten vorhanden sind.

Manchmal findet man überraschend viele Vorräte. Diese würde ich aber eher als Reserve betrachten und nicht als eingeplanten Bestandteil meines Abendessens.

Alles, was ich sicher essen möchte, trage ich selbst hoch.

Einen eigenen Campingkocher kann man als Backup mitnehmen. Wenn ich aber vorher genau weiß, dass eine funktionierende Kochmöglichkeit vorhanden ist, habe ich ihn bisher meistens nicht gebraucht.

Wasser ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt

Bei kaum einem Thema würde ich weniger pauschal planen als beim Wasser.

Manche Hütten haben fließendes Wasser.

Andere haben einen Brunnen oder eine Quelle etwas außerhalb.

Bei wieder anderen wird die Wasserleitung außerhalb der Sommersaison abgestellt.

Und im richtigen Winter kann es passieren, dass die einzige realistische Wasserquelle Schnee ist.

Deshalb kontrolliere ich vorher konkret:

Der Komfort reicht vom schlichten Schutzraum bis zu einer gut ausgestatteten kleinen Hütte.

Gibt es Wasser? Ist es Trinkwasser? Ist die Quelle auch zu meiner Jahreszeit verfügbar?

Wenn ich auf eine externe Quelle angewiesen bin, nehme ich eine Möglichkeit zur Wasseraufbereitung beziehungsweise einen Filter mit.

Gerade im Winter muss man außerdem bedenken, wie viel Brennstoff beziehungsweise Feuerholz es kostet, mehrere Liter Wasser aus Schnee zu gewinnen.

Welchen Schlafsack braucht man?

Hier würde ich ebenfalls nicht pauschal sagen, dass ein Hüttenschlafsack immer reicht.

In vielen Winterräumen gibt es dicke Decken und der Raum lässt sich mit dem Ofen relativ gut erwärmen.

Unter solchen Bedingungen kann ein dünner Hüttenschlafsack durchaus ausreichen.

Ich nehme bei unbewarteten Hütten inzwischen trotzdem lieber etwas mehr Reserve mit.

Gerade wenn eine Hütte zugig ist, niemand vorher den Ofen angeheizt hat und draußen die Temperatur Richtung Gefrierpunkt fällt, wird ein dünner Liner plötzlich deutlich weniger gemütlich.

Für eine kalte, hoch gelegene Hütte finde ich deshalb einen leichten Schlafsack ungefähr im Bereich um 0 °C wesentlich angenehmer. Dann ist man nicht komplett davon abhängig, mehrere Wolldecken übereinanderzulegen.

Im richtigen Winter ist das natürlich noch einmal eine völlig andere Kategorie.

Wie immer gilt: Ausstattung, Höhenlage und Jahreszeit vorher prüfen.

Toiletten, Duschen und Hygiene

Bei Toiletten würde ich nicht viel Komfort erwarten.

Viele Selbstversorgerhütten haben ein einfaches Trocken- oder Plumpsklo, teilweise in einem kleinen separaten Gebäude außerhalb.

Manche Winterräume haben Zugang zu einem normalen beziehungsweise trockenen Hütten-WC.

Andere haben außerhalb der Bewartungszeit überhaupt keine Toilette.

Duschen sind eine Ausnahme.

Die Capanna Lèis gehört hier tatsächlich zu den ungewöhnlich komfortablen Beispielen und verfügt sogar über eine Dusche.

Grundsätzlich würde ich aber von einer deutlich minimalistischeren Hygiene ausgehen als in einer bewarteten Hütte.

Eine kleine Menge Toilettenpapier als Backup nehme ich ebenfalls mit.

Strom und Licht

Auch hier lautet meine Regel:

Nicht damit planen.

Manche Hütten haben ein Solarpanel und damit sogar Licht.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es eine Steckdose zum Laden von Kamera, Handy oder Powerbank gibt.

Topf mit Schnee in einer unbewarteten Hütte
Wenn die normale Quelle geschlossen oder gefroren ist, benötigt Schmelzwasser Zeit und Brennstoff.

Viele Hütten haben überhaupt keinen für Gäste nutzbaren Strom.

Deshalb gehören für mich bei einer solchen Tour Stirnlampe und Powerbank zwingend in den Rucksack.

Gerade die Stirnlampe ist wichtig. Sobald die Sonne verschwunden ist, kann ein Winterraum ohne elektrisches Licht erstaunlich dunkel werden.

Was ich für eine Selbstversorgerhütte einpacke

Zusätzlich zu meiner normalen Wanderausrüstung nehme ich für solche Hütten in der Regel Folgendes mit:

einen zur Hütte und Jahreszeit passenden Schlafsack oder Hüttenschlafsack

Stirnlampe

Powerbank

Feuerzeug beziehungsweise Streichhölzer

etwas Anzünder

Essen für alle geplanten Mahlzeiten plus eine kleine Reserve

Wasserfilter beziehungsweise andere Wasseraufbereitung, sofern die Wassersituation nicht eindeutig ist

minimale Hygieneartikel

Ersatzsocken und einen trockenen Baselayer

Bargeld

kleines Erste-Hilfe-Kit

gegebenenfalls Kocher und Kartusche

Müllbeutel

Viel mehr versuche ich nicht mitzunehmen.

Gerade bei solchen Touren sammelt sich Gewicht sehr schnell an, weil man zusätzlich zum normalen Wandergepäck bereits Essen und mehr Schlafausrüstung tragen muss.

Essen: möglichst simpel

Für eine einzelne Übernachtung brauche ich keinen komplizierten Essensplan.

Ich plane ungefähr ein ordentliches Abendessen, Frühstück, Essen für den nächsten Wandertag und ein paar Snacks ein.

Dazu kommt eine kleine Reserve.

Für das Abendessen reicht mir beispielsweise Pasta mit Pesto.

Für unterwegs funktionieren Brot mit Salami oder einem anderen relativ haltbaren Belag, Nüsse, Riegel und Ähnliches.

Gerade wenn es keine Kühlung gibt, sollte man natürlich entsprechend auswählen, welche Lebensmittel man überhaupt mitnimmt.

Je einfacher das Essen, desto weniger Gewicht trägt man in Form von Verpackung, Kochutensilien und Zutaten den Berg hinauf.

Frisch entzündetes Feuer in einer einfachen Hütte
Nach Wasser und Schlafplatz wird das Feuer schnell zum Mittelpunkt des Abends.

Ein typischer Abend in einer Selbstversorgerhütte

Ein Abend läuft deutlich anders ab als in einer bewarteten SAC-Hütte.

Dort komme ich an, ziehe meine Schuhe aus und bestelle irgendwann Abendessen.

In einer Selbstversorgerhütte beginnt nach der Ankunft eigentlich erst einmal die Arbeit.

Ich schaue zunächst, wie die Hütte aufgebaut ist und welche Schlafplätze verfügbar sind.

Danach kontrolliere ich Wasser, Kochmöglichkeit und Ofen.

Wenn nötig hole ich Holz, zerkleinere etwas von dem bereits vorbereiteten Brennholz weiter und versuche, den Ofen anzubekommen.

Dann kann man nasse oder feuchte Kleidung trocknen, Wasser erhitzen und schließlich kochen.

Sobald das erledigt ist, wird der Abend meiner Meinung nach allerdings häufig angenehmer als in einer großen bewarteten Hütte.

Gerade wenn nur zwei oder vier Menschen dort sind, entsteht eine völlig andere Ruhe.

Man sitzt am Ofen, isst gemeinsam und ist teilweise stundenlang komplett alleine in einem Seitental.

Genau diese Atmosphäre ist für mich einer der Gründe, warum ich solche Hütten so gerne benutze.

Der nächste Morgen

Morgens mache ich den Ofen häufig gar nicht mehr richtig an.

Wenn es sehr kalt ist, vielleicht kurz. Ansonsten erhitze ich nur Wasser für das Frühstück und beginne anschließend relativ schnell mit dem Zusammenpacken.

Danach wird aufgeräumt.

Geschirr reinigen, Schlafplatz ordentlich hinterlassen, Essen einpacken und Müll wieder mitnehmen.

Besonders wichtig ist für mich, Fenster und Türen richtig zu schließen.

Bei einer abgelegenen Hütte kann es durchaus passieren, dass nach uns zwei Wochen niemand mehr vorbeikommt.

Eine offen gelassene Tür kann dann aus einer kleinen Unachtsamkeit schnell einen erheblichen Schaden durch Tiere, Schnee oder Sturm machen.

Auch Decken und andere Ausrüstung lege ich wieder genauso zurück, wie sie vorgesehen sind.

Hüttenetikette ohne Hüttenwart

Eigentlich ist die Regel sehr einfach:

Hinterlasse die Hütte mindestens so gut, wie du sie vorgefunden hast.

Holz sparsam verwenden, Geschirr vollständig reinigen, Müll ins Tal nehmen und vorhandene Vorräte nicht einfach aufessen, nur weil sie gerade dort liegen.

Wenn etwas kaputtgeht oder bereits ein größerer Schaden vorhanden ist, würde ich das dem Betreiber melden.

Gerade diese kleinen Hütten funktionieren nur, weil Nutzer und meist ehrenamtliche Betreiber vernünftig damit umgehen.

Winterräume im Herbst

Für mich ist wahrscheinlich Oktober eine der interessantesten Zeiten, Winterräume zu nutzen.

Die großen Sommermassen sind verschwunden, viele bewartete Hütten bereits geschlossen und trotzdem kann es noch längere Perioden mit sehr guten Bedingungen geben.

Das haben wir beispielsweise bei unserer Tour über die Greina erlebt.

Gleichzeitig sollte man diese Jahreszeit nicht unterschätzen.

Nordhänge können bereits vereist sein, in höheren Lagen kann der erste Schnee liegen und einzelne Sommerbrücken oder andere saisonale Infrastruktur können bereits entfernt worden sein.

Der Zustieg zu einem Winterraum kann dadurch deutlich schwieriger sein als derselbe Weg im August.

Die Tatsache, dass ein Winterraum geöffnet ist, sagt überhaupt nichts darüber aus, ob der Weg dorthin gerade sicher begehbar ist.

Winterräume im richtigen Winter sind etwas anderes

Eine Übernachtung im Oktober bei weitgehend schneefreiem Zustieg ist nicht mit einer Übernachtung im Februar vergleichbar.

Im Winter kommen Lawinenlage, Schneeschuhe oder Tourenski, deutlich mehr Ausrüstung, wesentlich niedrigere Temperaturen und häufig die komplette Wasserversorgung über geschmolzenen Schnee hinzu.

Auch einfache Sommerwanderwege können im Winter durch Lawinenhänge führen.

Ich würde deshalb einen Winterraum im richtigen Winter nicht als einfache Verlängerung des Herbstwanderns behandeln.

Dafür gibt es meinen separaten Snowshoe Hiking in Switzerland Guide.

Einige Winterräume und Selbstversorgerhütten, die ich selbst genutzt habe

Capanna Motterascio

Der Winterraum der Capanna Motterascio an der Greina gehört zu den größeren und meiner Meinung nach angenehmsten, die ich bisher benutzt habe.

Es gibt zehn Schlafplätze mit Decken und Feuerholz. Die Wasserversorgung sollte man außerhalb der Sommersaison allerdings unbedingt vorher überprüfen.

Für unsere Herbsttour war die Hütte ein sehr angenehmer erster Übernachtungsort.

Camona da Medel

Die Camona da Medel beziehungsweise Medelserhütte ist als Haupthütte relativ modern, der Schutzraum selbst ist aber deutlich kleiner.

Wir waren dort mit insgesamt vier Personen und hatten damit genügend Platz. Bei vollständiger Belegung würde ich den Raum allerdings als ziemlich eng einschätzen.

Chamonna Tuoi

Auch die Chamonna Tuoi besitzt einen Winter- beziehungsweise Schutzraum.

Bei unserem Aufenthalt fand ich den Raum angenehm und vergleichsweise gut ausgestattet. Feuerholz war vorhanden. Was uns allerdings fehlte, war vernünftiger Anzünder – genau daher kommt inzwischen meine Empfehlung, immer etwas davon selbst mitzubringen.

Capanna Lèis

Die Capanna Lèis war eine der am besten ausgestatteten Selbstversorgerhütten, die ich bisher besucht habe.

14 Schlafplätze, Holz- und Gasherd, Solarlicht, Holzheizung und sogar eine Dusche sind für eine unbewartete Hütte schon ziemlich komfortabel.

Bei uns war außerdem praktisch niemand dort, wodurch sich die Hütte trotz ihrer Größe sehr ruhig angefühlt hat.

Die kleinen Rifugi der Val Marcri

Ein ganz anderes Erlebnis bieten die kleinen Hütten rund um Val Marcri oberhalb von Personico.

Hier liegen mehrere einfache Hütten auf unterschiedlichen Höhen im Tal. Sie sind wesentlich ursprünglicher als die größeren SAC-Winterräume und bieten entsprechend weniger Komfort.

Genau diese Einfachheit macht die Gegend aber sehr interessant, wenn man wirklich abseits der bekannteren Hüttenrouten unterwegs sein möchte.

Man bekommt dort keine kleine Berghotel-Erfahrung, sondern tatsächlich nur einen einfachen Schlafplatz, einen Ofen und das Nötigste für eine Nacht.

Die häufigsten Fehler

Die meisten Probleme lassen sich meiner Meinung nach vermeiden, wenn man vor der Tour ein paar Dinge nicht einfach voraussetzt.

Nicht davon ausgehen, dass Wasser vorhanden ist.

Capanna Motterascio oberhalb des Val Camadra
Die Capanna Motterascio ist bewartet und besitzt ausserhalb der Saison einen separaten Winterraum.

Nicht davon ausgehen, dass Holz automatisch bedeutet, dass man problemlos Feuer machen kann.

Nicht ohne Stirnlampe ankommen.

Nicht davon ausgehen, dass man die Hütte alleine haben wird.

Und insbesondere nicht glauben, dass eine geöffnete Hütte automatisch bedeutet, dass der Zustieg problemlos machbar ist.

Gerade im Frühjahr und Herbst können Schnee und Eis die eigentliche Schwierigkeit einer Tour komplett verändern.

Offline-Karten gehören für mich ebenfalls zur Grundausrüstung. In einigen der abgelegeneren Täler gibt es schlicht keinen Mobilfunkempfang.

Self-Service Hut vs. Staffed Hut

Die folgende Bewertung ist rein meine persönliche Einschätzung und soll keine objektive Klassifizierung sein. Zehn Punkte bedeuten jeweils, dass ich die Variante in dieser Kategorie besonders gut finde.

Das zeigt eigentlich ziemlich genau den Unterschied.

Eine bewartete Hütte nimmt einem fast alles ab.

Bei der Selbstversorgerhütte bekommt man dafür Freiheit, Ruhe und einen sehr niedrigen Preis – bezahlt aber mit zusätzlichem Gewicht und Eigenverantwortung.

Für wen eignen sich Selbstversorgerhütten?

Ich würde sie besonders Leuten empfehlen, die bereits ein wenig Erfahrung mit Mehrtagestouren haben und ihre Wanderungen gerne selbst planen.

Man sollte ungefähr wissen, wie viel Essen und Wasser man benötigt, mit einem Holzofen beziehungsweise einer einfachen Kochstelle umgehen können und sich auch dann wohlfühlen, wenn nicht alles genau so funktioniert wie erwartet.

Camona da Medel auf einem felsigen Hang
Die Camona da Medel ist ein weiteres Beispiel aus meinen eigenen Winterraumtouren.

Für Reisende mit kleinerem Budget sind sie ebenfalls sehr interessant.

Und gerade für Fotografen, Wildlife-Beobachter oder andere Leute, die gerne sehr früh oder sehr spät unterwegs sind, kann die Ruhe ein großer Vorteil sein.

Wann würde ich zuerst eine bewartete Hütte wählen?

Für meine allererste Mehrtagestour würde ich wahrscheinlich trotzdem eine bewartete Hütte nehmen.

Das Gleiche gilt, wenn man noch überhaupt keine Erfahrung damit hat, wie viel Essen, Kleidung und Ausrüstung man benötigt.

Auch mit jüngeren Kindern oder wenn man schlicht möglichst wenig organisieren möchte, ist eine normale bewartete Hütte wahrscheinlich die angenehmere Wahl.

Man kann sich dort zunächst an den Rhythmus einer Hüttentour gewöhnen, ohne gleichzeitig Feuerholz, Wasser und Abendessen organisieren zu müssen.

Meine Empfehlung für die erste Selbstversorgerhütte

Ich würde nicht damit beginnen, Ende Oktober auf eine abgelegene Hütte auf 2.500 Metern zu laufen.

Für die erste Übernachtung würde ich eher eine gut erreichbare und relativ unkomplizierte Selbstversorgerhütte auswählen.

Ein gutes Beispiel ist für mich die Capanna Prou oberhalb von Malvaglia.

Von Dagro erreicht man sie auf einem normalen T2-Weg in ungefähr 1¾ Stunden und rund 620 Höhenmetern. Die Hütte liegt auf ungefähr 2.015 Metern, verfügt über rund 12 Schlafplätze und ist für eine unbewartete Hütte vergleichsweise gut ausgestattet. Es gibt unter anderem eine Kochmöglichkeit mit Holz- und Gasherd und sogar eine Dusche.

Dadurch kann man das Prinzip einer Selbstversorgerhütte ausprobieren, ohne direkt eine extrem lange oder technisch schwierige erste Etappe planen zu müssen.

Ideal wäre für mich für die erste solche Tour generell:

eine kurze und technisch einfache erste Etappe, stabile Wetterbedingungen, eine klar dokumentierte Wassersituation und eine Hütte, bei der man vorher weiß, dass Küche, Schlafplätze und ein funktionierender Ofen vorhanden sind.

So kann man erst einmal ausprobieren, ob einem diese Art des Hüttenwanderns überhaupt gefällt.

[LINK: Capanna Prou – eigene Tour]

Warum ich sie häufig bevorzuge

Für mich sind Selbstversorgerhütten und Winterräume inzwischen einer der interessantesten Teile des Wanderns in der Schweiz.

Sie ermöglichen Touren, die ich mit normalen bewarteten Hütten teilweise überhaupt nicht sinnvoll planen könnte.

Sie kosten wenig, liegen häufig in ruhigeren Gegenden und geben einem wesentlich mehr Freiheit.

Wenn das Wetter schlecht ist, kann man einen Nachmittag einfach am Ofen verbringen. Wenn das Wetter perfekt ist, bestimmt niemand, wann man zum Abendessen zurück sein muss.

Man kann kommen, kochen und schlafen, wann es zur eigenen Tour passt.

Natürlich bedeutet diese Freiheit auch mehr Verantwortung.

Man muss Wasser, Essen, Wärme und teilweise die gesamte Route wesentlich genauer selbst organisieren.

Aber gerade dadurch fühlt sich die Übernachtung für mich häufig auch mehr wie ein Teil der eigentlichen Bergtour und weniger wie ein Zwischenstopp in einem kleinen Hotel an.

Und genau deshalb nutze ich diese Hütten inzwischen sehr gerne, insbesondere im Tessin und bei meinen selbst geplanten Touren abseits der klassischen Wanderwege.

Separat geprüft

Quellen