Denali · Wildlife-Guide
Wildlife im Denali: Was man realistisch sehen kann
Wir hatten aussergewöhnliches Glück mit Bären, Karibus, Dall-Schafen und einer Elchkuh. Die meisten Tiere blieben trotzdem klein in einer sehr grossen Landschaft.

Fünf Punkte zuerst
Kurz gesagt
- Unser Glück Ungefähr fünf Bären, mehrere Karibus, 20 bis 30 Dall-Schafe und eine Elchkuh.
- Die Ausnahme Ein Bär lief aus eigener Richtung direkt am stehenden Bus vorbei.
- Die Regel Viele Tiere sind nur als kleine Formen in der Tundra oder an Berghängen sichtbar.
- Mitnehmen Ein Fernglas verändert die Beobachtung stärker als die Erwartung einer Nahaufnahme.
- Keine Garantie Vier gute Tage sagen nichts Verlässliches über die nächste Reise aus.
Der Bär neben dem Bus
Eine unserer eindrucksvollsten Sichtungen passierte nicht auf der eigentlichen Tundra Wilderness Tour, sondern während der Busfahrt zu unserem Discovery Hike. Weiter im Park lief ein Bär direkt entlang der Straße auf unseren Bus zu und anschließend an ihm vorbei. Offenbar war die Straße für ihn schlicht der einfachste Weg durch das Gelände.

Wir konnten ihn aus dem Bus beobachten, ohne selbst näher an das Tier herangehen zu müssen. Unser Ranger erzählte uns später, dass dies für ihn erst die zweite derart nahe Begegnung in dieser Saison gewesen sei. Der Moment war entsprechend besonders, aber sicherlich nicht etwas, womit man bei einer normalen Fahrt rechnen sollte.
Die meisten anderen Bären sahen wir aus mehreren hundert Metern Entfernung. Teilweise waren sie nur deshalb zu erkennen, weil jemand im Bus eine Bewegung in der Tundra bemerkte.
Was wir während vier Tagen sahen
Auf unserer Tundra Wilderness Tour sahen wir insgesamt ungefähr fünf Bären. Vier davon waren weit entfernt, einer kam wesentlich näher an die Straße. Außerdem sahen wir etwa 20 bis 30 Dall-Schafe, allerdings fast immer hoch an entfernten Berghängen.
Dazu kamen mehrere Karibus. Einige standen einzeln relativ nah an der Straße, andere bewegten sich in kleineren Gruppen über weiter entfernte Flächen. Später sahen wir außerdem eine Elchkuh in der Gegend um den Savage River.

Bei den kleineren Tieren und Vögeln gehörten Schneehasen, Eichhörnchen, Willow Ptarmigans, Canada Jays, Boreal Chickadees, Dark-eyed Juncos, Black-billed Magpies, Common Ravens und White-winged Crossbills zu unseren Sichtungen. Nicht jede Beobachtung war fotografisch besonders spektakulär. Trotzdem machten gerade diese kleineren Tiere den Park auch an ruhigeren Stellen lebendig.
Grizzlybären
Bären gehörten wahrscheinlich zu den Tieren, auf die wir am meisten hofften. Die meisten Sichtungen hatten wir in offeneren Tundragebieten weiter im Park. Dort lassen sich Tiere teilweise schon aus großer Entfernung entdecken, weil die Vegetation niedriger ist.
Uns wurde vor Ort erzählt, dass Bären ab Mitte August wieder intensiver nach Nahrung suchen und dadurch teilweise sichtbarer werden. Unsere eigenen Sichtungen passten dazu, trotzdem würde ich daraus keine Garantie für einen bestimmten Reisemonat ableiten. Sichtbarkeit hängt immer auch von Wetter, Vegetation, Route und schlicht Glück ab.
Karibus
Karibus sahen wir sowohl einzeln als auch in kleineren Gruppen. In der offenen Landschaft sind sie grundsätzlich gut zu erkennen, können aber trotzdem mehrere hundert Meter entfernt sein. Ohne Fernglas hätten wir manche Tiere wahrscheinlich nur als dunkle Punkte wahrgenommen.

Gerade bei Karibus wurde für mich deutlich, wie schwer Entfernungen im Denali einzuschätzen sind. Eine offene Fläche wirkt zunächst überschaubar, ist in Wirklichkeit aber häufig mehrere Kilometer breit.
Dall-Schafe
Dall-Schafe hielten sich bei unseren Sichtungen fast immer deutlich höher an den Berghängen auf. Auf grauem Fels erscheinen sie zunächst häufig nur als kleine weiße Punkte. Sobald eine Person im Bus eine Gruppe entdeckt hatte, konnten wir sie mit Fernglas oder Teleobjektiv wesentlich besser erkennen.
Fotografisch waren sie trotz der großen Anzahl eher schwierig. Die Entfernung war meistens so groß, dass selbst ein langes Objektiv nur einen Eindruck der Tiere in der Landschaft vermittelte. Genau das gehört im Denali allerdings zur Realität der Tierbeobachtung.
Elche
Elche sahen wir deutlich seltener. Während einer unserer späteren Fahrten entdeckten wir eine Elchkuh in der Nähe des Savage River. Uns wurde erzählt, dass sich die Chancen Richtung Ende August und Anfang September verbessern können, wenn die Tiere im Zusammenhang mit der bevorstehenden Brunft aktiver werden.
Auch diese Aussage würde ich vor der Veröffentlichung noch mit einer verlässlichen Quelle einordnen. Unsere eigene Erfahrung beschränkt sich auf eine einzelne Sichtung.

Kleinere Tiere und Vögel
Rund um den Parkeingang und in bewaldeten Bereichen sahen wir besonders viele Schneehasen, Eichhörnchen, Canada Jays und Boreal Chickadees. Weiter im Park begegneten uns häufiger Willow Ptarmigans in der knie- bis hüfthohen Vegetation.
Flüsse, Waldränder und Übergänge zwischen Wald und offener Tundra waren für uns besonders interessante Bereiche. Dabei würde ich trotzdem keine festen Hotspots versprechen. Tiere bewegen sich, und eine Stelle, die an einem Tag gut funktioniert, kann am nächsten vollständig leer sein.
Warum der Bus hilft
Einer der größten Vorteile einer Busfahrt ist die Anzahl der Menschen, die gleichzeitig nach Tieren suchen. Wer noch wenig Erfahrung darin hat, Wildtiere in einer riesigen Landschaft zu entdecken, profitiert enorm davon.
Sobald jemand etwas sieht, macht er die anderen Passagiere darauf aufmerksam und der Fahrer kann nach Möglichkeit anhalten. Das gilt sowohl für die geführten Touren als auch für die grünen Transit Buses. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass jedes Tier lange an derselben Stelle bleibt oder sich gut fotografieren lässt.

Fernglas und Kamera
Ein Fernglas würde ich für den Denali auf jeden Fall mitnehmen. Viele Tiere sind schlicht zu weit entfernt, um sie mit bloßem Auge wirklich beobachten zu können.
Ich fotografierte die meisten Tiere mit einer Sony A6700 und dem Sony 70–350 mm. Bei den Bussen ließen sich die Fenster öffnen oder herunterschieben, wodurch ich ohne störende Scheibe fotografieren konnte. Trotzdem bleiben Bewegung des Busses, die Entfernung und wenig Zeit häufig die größeren Herausforderungen.
Nicht jedes Tierfoto muss eine Nahaufnahme sein. Gerade im Denali kann ein kleiner Bär in einer riesigen Tundralandschaft besser zeigen, wie sich die Sichtung wirklich angefühlt hat.
Abstand und respektvolles Verhalten
Bei Bären gilt im Denali ein Mindestabstand von 300 Yards, bei anderen Wildtieren von 25 Yards. Wenn ein Tier sein Verhalten aufgrund der eigenen Anwesenheit verändert, ist man unabhängig von der gemessenen Entfernung zu nah.
Ebenso wichtig ist, kein Essen oder Müll zurückzulassen. Wildtiere sollten niemals gefüttert, verfolgt oder für ein Foto bedrängt werden. Bei der Begegnung neben dem Bus blieb der Abstand nicht deshalb gering, weil wir uns dem Bären genähert hätten, sondern weil das Tier selbst entlang der Straße am stehenden Fahrzeug vorbeilief.

Erwartungen realistisch halten
Es ist durchaus möglich, mehrere Tage im Denali zu verbringen, ohne einen Bären oder Elch zu sehen. Genauso kann der Berg selbst während des gesamten Aufenthalts hinter Wolken verschwinden.
Wir hatten mit unseren Sichtungen außergewöhnlich viel Glück. Daraus würde ich trotzdem keine feste Wahrscheinlichkeit ableiten. Wer mit Fernglas, Geduld und realistischen Erwartungen in den Park fährt, erhöht zumindest die Chance, auch weit entfernte oder kleinere Tiere wahrzunehmen.
Der Denali lohnt sich meiner Meinung nach allerdings auch ohne eine vollständige Liste großer Säugetiere. Die Landschaft ist mehr als nur der Hintergrund für Wildlife. Sie ist der Grund, warum selbst eine kleine Bewegung an einem Berghang plötzlich ausgesprochen spannend werden kann.
Separat geprüft