Schweiz · Monat für Monat

Wann wandern in der Schweiz?

Nicht der Monat allein entscheidet, sondern Höhe, Exposition, Region, aktuelle Schneelage und die saisonale Infrastruktur.

Goldene Lärchen und Berge im Schweizer Herbst
Der Herbst gehört für mich zu den stärksten Wanderzeiten, verlangt aber wesentlich aktuellere Entscheidungen als der Hochsommer.

Fünf Punkte zuerst

Kurz gesagt

  • Einfachste Monate Juli bis September bieten die verlässlichste Sommerinfrastruktur.
  • Mein Favorit September und Oktober verbinden oft Ruhe mit guten Bedingungen.
  • Wichtiger als das Datum Höhe und Nord- oder Südexposition verändern die Schneelage erheblich.
  • Randsaison Hütten, Bergbahnen und Passbusse können bereits geschlossen sein.
  • Immer prüfen MeteoSwiss, SLF, Webcams, Hütten, Betreiber und aktuelle Berichte.

Die Schweiz bietet sich als Wanderland meiner Meinung nach praktisch ganzjährig an. Es gibt eigentlich keinen Monat, in dem man im ganzen Land überhaupt nicht wandern kann.

Die entscheidende Frage ist vielmehr: Wo und auf welcher Höhe kann ich zu diesem Zeitpunkt sinnvoll wandern?

Eine Talwanderung im Tessin, eine Tour in den Voralpen auf 1.500 Metern, ein Pass auf 2.300 Metern und eine hochalpine Wanderung auf fast 3.000 Metern können im gleichen Monat vollkommen unterschiedliche Bedingungen haben.

Viele meiner eigenen Touren liegen bewusst in den Randzeiten. Einige Wanderungen habe ich im April gemacht, andere Mitte oder Ende Oktober und sogar noch im November. Natürlich lassen sich dieselben Touren häufig wesentlich unkomplizierter im Sommer unternehmen, aber gerade Frühjahr und Herbst finde ich aufgrund der geringeren Besucherzahlen und der oft sehr schönen Bedingungen interessant.

Zusätzlich stelle ich auf dieser Seite einige echte Winter- und Schneeschuhtouren vor.

Deshalb reicht es meiner Meinung nach nicht, einfach nur auf den Monat zu schauen. Entscheidend sind immer auch Höhe, Exposition, aktuelle Schneelage, Region, Wetter, Hüttenöffnungen, Bergbahnen und teilweise saisonale Busverbindungen.

Die wichtigste Regel: Höhe ist wichtiger als der Monat

Wenn ich nur eine einzige allgemeine Regel nennen müsste, wäre es diese:

Die Höhe ist häufig wichtiger als das Datum im Kalender.

Auf 1.000 Metern kann eine Wanderung im April bereits vollständig schneefrei sein, insbesondere an sonnigen Hängen oder im Tessin. Gleichzeitig können auf 2.500 Metern noch große Mengen Schnee liegen.

Mindestens genauso wichtig ist die Exposition.

Ein südseitiger Hang bekommt im Frühjahr deutlich mehr Sonne und kann Wochen früher schneefrei werden als ein Nordhang wenige Kilometer entfernt. Im Herbst funktioniert das Ganze umgekehrt: Auf sonnigen Südhängen kann man teilweise noch problemlos laufen, während nordseitige Passagen morgens bereits vereist sind.

Auch die Region spielt eine große Rolle.

Das Engadin besitzt ein vergleichsweise trockenes inneralpines Klima, liegt allerdings gleichzeitig sehr hoch. Das Tessin wiederum bietet durch seine südliche Lage und viele tiefer gelegene Berge häufig bereits früh im Jahr beziehungsweise noch weit in den Herbst hinein gute Möglichkeiten.

Wie extrem diese Unterschiede sein können, habe ich selbst mehrfach erlebt.

Bei unserer Wanderung auf der Südseite der Rigi Ende April war praktisch die komplette Route schneefrei. Lediglich an einem Nordhang unterhalb des Dossen lag noch ein größeres Schneefeld.

Am Surenenpass am 4. Juli sah die Situation vollkommen anders aus. Obwohl wir bereits Anfang Juli unterwegs waren, mussten wir in den letzten ungefähr 250 Höhenmetern zum Pass durch teilweise tiefen Altschnee laufen.

Genau deshalb würde ich nie einfach sagen: „Ab Juni sind die Berge schneefrei.“

Was ich vor jeder saisonalen Wanderung überprüfe

Unabhängig vom Monat gehe ich bei der Planung eigentlich immer ungefähr die gleichen Informationsquellen durch.

Ich schaue auf:

MeteoSwiss für Wetter, Temperaturen, Niederschlag und Gewitterlage

SLF für Schnee- und gegebenenfalls Lawineninformationen

Tiefer Wanderweg am Uetliberg Anfang April
Anfang April funktionieren tiefere Wege oft längst, während hohe Routen noch vollständig winterlich sind.

Webcams in der Umgebung

SAC-Tourenportal und Seiten der jeweiligen Hütten

Betriebszeiten von Bergbahnen

saisonale PostAuto- und Passlinien

aktuelle Tourenberichte, sofern welche vorhanden sind

swisstopo beziehungsweise meine Offline-Karte

Bei Schnee sind die SLF-Karten sehr hilfreich, allerdings sollte man ihre saisonale Verfügbarkeit kennen: Die reguläre Schneehöhenkarte wird ungefähr vom 1. November bis 30. Juni veröffentlicht. Im Oktober muss man sich also stärker mit Webcams, aktuellen Bildern, Neuschneeinformationen und lokalen Berichten behelfen.

Und ganz wichtig:

Eine offene Hütte bedeutet nicht, dass der Weg zur Hütte sicher oder schneefrei ist.

Das sind zwei vollkommen getrennte Fragen.

Januar

Im Januar befindet man sich in den Bergen klar in der Wintersaison.

Normales Bergwandern ist in höheren Lagen kaum das eigentliche Thema. Stattdessen bieten sich Winterwanderungen, Schneeschuhtouren und natürlich Skitouren an.

Ein großer Vorteil ist, dass viele Bergbahnen aufgrund der Skisaison in Betrieb sind. Dadurch erreicht man problemlos höher gelegene Ausgangspunkte, an denen markierte Winterwander- oder Schneeschuhrouten beginnen.

Die Lawinenlage ist allerdings ein zentraler Faktor.

Ein Sommerwanderweg ist nicht automatisch eine Winterwanderroute. Ein im August vollkommen harmloser Hang kann im Januar mitten durch lawinengefährdetes Gelände führen.

Für klassische Wanderungen würde ich mich deshalb auf tiefer gelegene Wege und ausdrücklich ausgewiesene Winterwanderwege konzentrieren.

Mein Urteil: Januar

Winter only.

Sehr gut für Schneeschuhe und Winterwandern, aber kein Monat für normale hoch gelegene Bergwanderungen.

Februar

Der Februar ist dem Januar sehr ähnlich.

In vielen Höhenlagen herrschen jetzt relativ etablierte Winterbedingungen und entsprechend ist es weiterhin eine sehr gute Zeit für Schneeschuhtouren.

Ein angenehmer Unterschied ist, dass die Tage langsam wieder länger werden.

Gerade bei etwas längeren Touren merkt man das deutlich.

Trotzdem bleibt alles, was weiter oben stattfindet, eine echte Wintertour. Je nach Route gehören entsprechende Ausrüstung, Lawinenkenntnisse und Erfahrung dazu.

Mein Urteil: Februar

Winter.

Für mich einer der klassischen Schneeschuhmonate.

März

Im März beginnt langsam die interessante Übergangsphase zwischen Winter und Frühling.

Im Tal kann bereits richtiges Frühlingswetter herrschen, während weiter oben noch tiefer Winter liegt.

Sonnige Südhänge können gegen Ende des Monats teilweise erstaunlich weit hinauf schneefrei werden. Nordhänge sehen häufig komplett anders aus.

Gerade diese Kontraste sollte man nicht unterschätzen.

Dazu kommt die starke Erwärmung im Tagesverlauf. Schnee, der morgens noch hart und relativ problemlos begehbar ist, kann wenige Stunden später deutlich weicher werden.

Für tiefer gelegene Touren beginnt langsam die Wandersaison.

Winterräume können ebenfalls interessant werden, allerdings würde ich hoch gelegene Übernachtungstouren im März weiterhin klar als Winterunternehmungen betrachten.

Mein Urteil: März

Transition.

Unten teilweise Frühling, oben weiterhin Winter.

April

Der April gehört für mich zu den interessantesten Monaten für tiefer gelegene Bergwanderungen.

Im Tessin, am Jura, in Teilen der Zentralschweiz und in den Voralpen können bereits sehr schöne Bedingungen herrschen.

Unsere Wanderung über die Südseite der Rigi Ende April ist dafür ein gutes Beispiel. Wir hatten über praktisch die gesamte Strecke schneefreie Bedingungen. Nur an einem schattigen Nordhang lag noch ein mittelgroßes Schneefeld.

Gerade die Exposition wird im April damit extrem wichtig.

Südseitige Wege können vollständig trocken sein, während auf der anderen Seite des gleichen Berges noch Schnee liegt.

Der größte logistische Nachteil im April ist für mich die Infrastruktur.

Viele Skigebiete haben ihren Winterbetrieb bereits beendet, während der Sommerbetrieb der Bergbahnen noch nicht begonnen hat. Auch viele Hütten sind nicht bewartet.

Deshalb kann eine Route, die im Juli perfekt mit Gondel und Bus funktioniert, im April plötzlich zusätzliche 1.000 Höhenmeter bedeuten.

Mein Urteil: April

Low-altitude hiking begins.

Ein sehr guter Monat für Tessin, Jura und niedrigere sonnige Bergregionen – aber jede Tour individuell prüfen.

Mai

Im Mai öffnen sich zunehmend mehr Möglichkeiten.

Viele klassische Wanderwege bis ungefähr 1.500 oder teilweise 2.000 Meter können, abhängig von Region und Exposition, bereits gut machbar sein.

Gleichzeitig beginnt in höheren Lagen die intensive Schneeschmelze.

Das bringt ein Problem mit sich, das man leicht übersieht: Wasser.

Bäche führen teilweise deutlich mehr Wasser als später im Sommer. Kleine Bachüberquerungen können dadurch schwieriger sein und manche saisonalen Brücken sind eventuell noch nicht aufgebaut.

Schneeschuhroute im Schweizer Winter
Im Winter orientiere ich mich an ausgewiesenen Winterwander- und Schneeschuhrouten.

Viele SAC-Hütten sind weiterhin nicht bewartet und auch kleinere Bergbahnen befinden sich teilweise noch zwischen Winter- und Sommersaison.

Gleichzeitig steigt mit zunehmender Wärme langsam die Bedeutung von Gewittern.

Für mich ist Mai trotzdem eine sehr gute Zeit für das Tessin, die Zentralschweiz, den Jura und viele Voralpenregionen.

Mein Urteil: Mai

Increasingly good.

Sehr viele Möglichkeiten unterhalb des eigentlichen Hochgebirges.

Juni

Im Juni beginnt langsam die echte Sommersaison.

Viele Bergbahnen nehmen ihren Sommerbetrieb auf und immer mehr SAC-Hütten öffnen.

Wann genau eine Hütte öffnet, hängt allerdings stark von Lage und Höhe ab. Manche Wanderhütten sind bereits im Juni vollständig geöffnet, während höher gelegene Hütten erst gegen Ende Juni oder sogar Anfang Juli in den normalen Sommerbetrieb gehen. Das SAC-Tourenportal zeigt diese Unterschiede sehr schön: Die Rugghubelhütte ist beispielsweise bereits ab Juni geöffnet, während eine hoch gelegene Hütte wie die Domhütte regulär erst im Juli öffnet.

Gerade Anfang Juni würde ich hohe Pässe noch nicht automatisch als schneefrei betrachten.

Nordhänge können weiterhin große Altschneefelder haben.

Dafür sind die Tage inzwischen sehr lang. Das ermöglicht frühe Starts und gibt viel Reserve für längere Touren.

Auch Gewitter werden langsam wichtiger. Bei vorhergesagter Gewitterlage würde ich gerade bei Gratwanderungen morgens möglichst früh starten.

Gegen Ende Juni beginnt für mich langsam die eigentliche klassische Wandersaison in den Alpen.

Mein Urteil: Juni

Summer begins.

Ende Juni ist ein völlig anderes Wandern möglich als Anfang Juni.

Juli

Im Juli beginnt die klassische Hauptsaison.

Praktisch alle normalen Sommer-Bergbahnen fahren, die meisten bewarteten Hütten sind geöffnet und viele hohe Übergänge werden zunehmend gut begehbar.

Für längere Hüttentouren ist Juli deshalb einer der verlässlichsten Monate.

Trotzdem sollte man Schnee weiterhin nicht komplett vergessen.

Unser Surenenpass-Beispiel vom 4. Juli zeigt sehr gut, dass schattige hohe Passagen auch zu diesem Zeitpunkt noch größere Altschneefelder haben können.

Gleichzeitig beginnt die Ferienzeit.

Bekannte Regionen werden deutlich voller und insbesondere an schönen Wochenenden sind beliebte Hütten häufig ausgebucht.

In den tiefen Tälern kann es außerdem heiß werden, gerade im Tessin und im Wallis.

Damit steigt auch die Bedeutung früher Starts: weniger Hitze, mehr Zeitreserve und bei einer klassischen sommerlichen Gewitterlage häufig die bessere Chance, bereits vor dem späteren Nachmittag aus exponiertem Gelände heraus zu sein.

Mein Urteil: Juli

Prime season.

Sehr gute Bedingungen für fast alle klassischen alpinen Wanderungen – aber voller und teilweise heiß.

August

Auch August ist klare Hauptsaison.

Für hohe Wanderungen und längere Mehrtagestouren ist dies wahrscheinlich einer der unkompliziertesten Monate des Jahres.

Viele Wege sind inzwischen vollständig schneefrei, die Hütten sind offen und alle wesentlichen Sommerverbindungen fahren.

Gerade für Touren in Richtung 2.500 bis 3.000 Meter ist August deshalb sehr zuverlässig.

Der Nachteil ist erneut die Beliebtheit.

Bekannte Hütten können an Wochenenden bereits lange vorher ausgebucht sein.

Gewitter bleiben weiterhin ein Thema und in den tiefen Tälern können die Temperaturen hoch sein.

Gegen Ende August merkt man allerdings langsam die ersten Veränderungen. Nächte werden länger und insbesondere höher oben teilweise bereits etwas kühler.

Mein Urteil: August

Prime season.

Wahrscheinlich einer der einfachsten Monate für die Planung anspruchsvollerer alpiner Wanderungen.

September

Der September gehört zu meinen persönlichen Lieblingsmonaten zum Wandern.

Die Sommerferien sind weitgehend vorbei, die Temperaturen werden angenehmer und auf vielen Wegen sind deutlich weniger Menschen unterwegs.

Gerade Anfang September hat man gleichzeitig noch fast die komplette Sommerinfrastruktur.

Viele Hütten sind weiterhin bewartet und zahlreiche Bergbahnen fahren noch regulär.

Die Wege sind meistens weiterhin schneefrei und längere hoch gelegene Touren sind häufig noch problemlos machbar.

Natürlich können erste Schneefälle auftreten, insbesondere später im Monat und in hohen Lagen.

Aber bei passenden Bedingungen finde ich September fast ideal.

Man bekommt viele Vorteile des Sommers ohne ganz so viel Hitze und Besucherandrang.

Mein Urteil: September

Excellent.

Für mich wahrscheinlich der beste Kompromiss aus Bedingungen, Infrastruktur und Ruhe.

Oktober

Der Oktober ist für mich der interessanteste Monat der echten Randsaison.

Viele bewartete Hütten schließen inzwischen und auch erste Bergbahnen stellen ihren Sommerbetrieb ein.

Gleichzeitig kann man gerade in den südlicheren und trockeneren Regionen noch fantastische Bedingungen haben.

Im Engadin kommt außerdem die Lärchenfärbung hinzu. Die Lärchen werden im Oktober goldgelb; wann genau der Höhepunkt erreicht wird, hängt unter anderem von den ersten Frostnächten ab. Engadin Tourismus bietet dafür inzwischen sogar einen eigenen Webcam-basierten Larch Tracker an.

Gerade für das Engadin finde ich diese Zeit wunderschön.

Meine eigene Tour von Guarda über die Chamonna Tuoi Richtung Scuol fand Ende Oktober statt. Wir waren ungefähr eine Woche vor einem größeren Schneefall unterwegs.

Auch unsere Greina-Tour machten wir Mitte Oktober.

Der Vorteil ist offensichtlich: extrem wenig Menschen und teilweise fantastische Herbstlandschaften.

Der Nachteil ist, dass man wesentlich mehr planen muss.

Altschnee am Surenenpass Anfang Juli
Der Surenenpass zeigte uns Anfang Juli, wie lange Schnee an schattigen Passagen bleiben kann.

Nordhänge können bereits vereist sein, erste größere Schneefälle können kommen, Hütten sind unbewartet und saisonale Busse oder Bergbahnen fahren eventuell nicht mehr.

Deshalb sind Winterräume und Selbstversorgerhütten in dieser Zeit besonders interessant.

Mein Urteil: Oktober

Excellent – if conditions fit.

Für erfahrenere Wanderer, die kurzfristig planen können, einer meiner liebsten Monate.

November

Im November würde ich nur noch sehr selektiv normale Bergwanderungen planen.

Trotzdem kann auch dieser Monat überraschend gute Tage bieten.

Unsere verlängerte Stoos-Gratwanderung machten wir beispielsweise am 10. November.

Der größte Teil der Route war vollständig trocken und schneefrei. An einzelnen schattigen Nordhängen gab es allerdings bereits etwas Feuchtigkeit und Eis.

Genau das ist für mich typisch für diese Zeit.

Eine sonnige Südseite kann sich noch wie Herbst anfühlen, während wenige hundert Meter weiter eine Nordseite bereits winterliche Bedingungen hat.

Dazu kommen deutlich kürzere Tage.

Viele Bergbahnen befinden sich im Saisonwechsel und kleinere Sommerbahnen fahren überhaupt nicht mehr.

Für spontane hochalpine Unternehmungen ist November deshalb meiner Meinung nach kein guter Monat.

Wer die Bedingungen allerdings genau prüft und eine passende tiefere oder sonnige Route auswählt, kann dafür teilweise fast alleine unterwegs sein.

Mein Urteil: November

Selective.

Sehr schöne einzelne Touren sind möglich – aber keine Jahreszeit mehr für pauschale Planung.

Dezember

Im Dezember beginnt wieder die eigentliche Wintersaison.

Die Skigebiete öffnen und damit auch viele Bergbahnen wieder.

Normales Bergwandern beschränkt sich zunehmend auf tiefere, schneefreie Regionen.

Weiter oben beginnt erneut die Zeit für Winterwandern, Schneeschuhe und Skitouren.

Die Tage sind kurz und gerade bei Neuschnee muss die Lawinenlage wieder deutlich stärker berücksichtigt werden.

Eine Übernachtung im Winterraum ist nun ebenfalls eine echte Wintertour und sollte entsprechend geplant werden.

Mein Urteil: Dezember

Winter again.

Die besten Monate nach Art der Wanderung

Diese Tabelle ist nur eine grobe Orientierung. Höhe, Region und aktuelle Bedingungen bleiben immer wichtiger als das Datum.

Welche Regionen funktionieren wann besonders gut?

Frühling

Meine erste Wahl wären:

Berglandschaft nahe der Rugghubelhütte im Frühsommer
Hütten öffnen je nach Höhe und Region zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten.

Tessin, Jura und tiefer gelegene Teile der Zentralschweiz beziehungsweise der Voralpen.

Hier findet man deutlich früher schneefreie Wege als im Hochgebirge.

Frühsommer

Zusätzlich werden immer mehr Voralpen- und mittelhohe Bergtouren möglich.

Auch erste niedrigere SAC-Hütten öffnen.

Hochsommer

Im Juli und August kann man im Grunde in allen Schweizer Alpenregionen wandern.

Das ist die Zeit für hohe Pässe, lange Hüttentouren und Touren bis in größere Höhen.

Herbst

Besonders gut gefallen mir:

Engadin, Tessin, Wallis und sonnige Südhänge in vielen anderen Regionen.

Im September kann man häufig noch sehr hoch unterwegs sein. Im Oktober würde ich zunehmend die tatsächlichen Bedingungen entscheiden lassen.

Winter

Hier würde ich mich primär an ausgewiesenen Winterwander- und Schneeschuhrouten orientieren.

Die Hüttensaison

Auch bei den Hütten gibt es keine einzige Saison für die gesamte Schweiz.

Als sehr grobe Orientierung kann man sagen, dass viele Wanderhütten irgendwann im Juni öffnen und im September oder Oktober wieder schließen.

Hoch gelegene Hütten haben häufig eine kürzere Saison.

Die Unterschiede können erheblich sein. Die Domhütte wird beispielsweise im normalen Sommerbetrieb erst ab Juli als offen geführt, während die Rugghubelhütte von Juni bis Oktober bewartet wird.

Manche Hütten öffnen zusätzlich im Winter oder Frühjahr für Skitouren.

Andere haben einen Winterraum oder Schutzraum.

Wieder andere sind außerhalb der normalen Saison vollständig geschlossen.

Deshalb prüfe ich immer die einzelne Hütte, nicht einfach „die SAC-Saison“.

Bergbahnen und Randsaison

Bergbahnen sind gerade im April, Mai, Oktober und November häufig einer der größten limitierenden Faktoren.

Viele Bahnen haben zwei getrennte Saisons:

Winterbetrieb → Pause → Sommerbetrieb → Pause → Winterbetrieb.

Dadurch kann eine Wanderung technisch vollkommen machbar sein, während die dafür benötigte Bahn schlicht nicht fährt.

Gerade kleinere private Bahnen überprüfe ich deshalb direkt beim Betreiber.

Und wie in meinem Guide zum Wandern ohne Auto bereits erwähnt:

Die letzte Talfahrt behandle ich als echte Deadline.

Saisonale Buslinien

Das gleiche Problem gibt es bei Pass- und Wanderbussen.

Einige PostAuto-Linien auf Bergpässe fahren ausschließlich während der Sommersaison.

Andere kleine Wanderbusse fahren möglicherweise nur von Juni bis September und teilweise lediglich wenige Male am Tag.

Eine Tour kann dadurch im Juli sehr einfach mit dem öffentlichen Verkehr funktionieren und Ende Oktober plötzlich logistisch praktisch unmöglich werden.

Trockener Gratweg bei Stoos im November
Auch im November sind einzelne trockene Touren möglich, aber nicht mehr pauschal planbar.

Ich prüfe deshalb immer zuerst die SBB-App und bei kleinen saisonalen Linien zusätzlich den direkten Betreiber.

Gewitter und Hitze

Gewitter sind für mich besonders während der warmen Sommermonate relevant.

Gerade bei angekündigten Nachmittagsgewittern versuche ich sehr früh zu starten.

Auf einem bewaldeten Talweg ist ein Wetterumschwung etwas vollkommen anderes als auf einem kilometerlangen ausgesetzten Grat.

Wenn ich weiß, dass sich die Wetterlage am Nachmittag verschlechtern soll, möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem höchsten und exponiertesten Abschnitt stehen.

Hitze ist insbesondere in den tiefen Tälern des Tessins und Wallis ein Thema.

An sehr heißen Sommertagen würde ich dort entweder extrem früh starten oder direkt eine höher gelegene Wanderung auswählen.

Schnee und Eis in der Randsaison

Im Frühjahr und Herbst ist für mich die wichtigste Frage häufig nicht:

Liegt Schnee?

Sondern:

Wo genau liegt Schnee?

Nordhänge halten ihn wesentlich länger.

Im Frühjahr kann eine komplette Wanderung trocken sein und nur eine einzelne Nordpassage noch ein großes Schneefeld enthalten.

Im Herbst ist Eis teilweise sogar unangenehmer.

Ein dünner gefrorener Film auf Fels oder Gras ist unter Umständen schwieriger zu erkennen als ein offensichtliches Schneefeld.

Dadurch kann eine normale T2-Wanderung plötzlich wesentlich anspruchsvoller werden.

Abhängig von der Tour können Wanderstöcke oder Grödel sinnvoll sein.

Ich nehme sie aber nicht automatisch mit, sondern entscheide anhand der konkreten Bedingungen.

Tageslicht

Auch die Tageslänge verändert meine Tourenplanung erheblich.

Im Juni, Juli und August hat man sehr viel Zeitreserve.

Im Oktober und insbesondere November sieht das vollkommen anders aus.

Eine 25-Kilometer-Tour Ende Oktober muss anders geplant werden als dieselbe Tour im Juli.

Ich schaue deshalb nicht nur auf die angegebene Gehzeit, sondern auch darauf, wann es tatsächlich dunkel wird.

Eine Stirnlampe gehört für mich bei längeren Herbsttouren sowieso in den Rucksack.

Wann sind die Berge am vollsten?

Juli und August sind wenig überraschend die vollsten Monate.

Wochenenden sind noch einmal deutlich stärker besucht als Werktage.

Im September nimmt der Besucherandrang meiner Erfahrung nach bereits spürbar ab.

Im April, Mai, Oktober und November habe ich dagegen Touren erlebt, auf denen wir über lange Zeit praktisch niemanden gesehen haben.

Natürlich gilt das nicht überall.

Rigi, Stoos oder besonders bekannte Aussichtspunkte können auch außerhalb der Hauptsaison gut besucht sein.

Wenn man aber einige Kilometer weiterläuft oder eine weniger klassische Route auswählt, wird es häufig sehr schnell ruhig.

Im Winter konzentrieren sich die Besucherströme wiederum stark rund um die Skigebiete. Abseits davon gibt es auf Schneeschuhrouten ebenfalls überraschend ruhige Möglichkeiten.

Welche Jahreszeit bevorzuge ich persönlich?

Für mich sind September und Oktober wahrscheinlich die interessantesten Monate.

Im September bekommt man noch sehr viel Sommerinfrastruktur und gleichzeitig bereits deutlich weniger Menschen.

Im Oktober wird die Planung schwieriger, dafür werden die Touren teilweise noch ruhiger und gerade im Engadin kommt die wunderschöne Herbstfärbung dazu.

Der Spätherbst ist für mich damit nicht automatisch schlechter.

Er verlangt schlicht mehr Flexibilität.

Wenn ich dagegen Monate im Voraus eine lange, hoch gelegene Hüttentour buchen möchte und möglichst wenig Risiko bei der Planung haben will, würde ich klar Juli oder August wählen.

Im Frühjahr bleibe ich eher in tieferen Lagen.

Es ist für mich damit immer ein Kompromiss aus verlässlichen Bedingungen, Infrastruktur, Temperatur und Besucherzahlen.

Mein Month-by-Month Quick Verdict

Wann würde ich wem die Schweiz empfehlen?

Wann würde ich also in der Schweiz wandern?

Wenn ich maximale Planungssicherheit möchte und vielleicht schon Monate vorher Flüge, Hotels und Hütten reservieren muss, würde ich Juli bis September wählen.

Für eine erste Wanderreise halte ich diese Monate ebenfalls für am einfachsten.

Wenn ich dagegen flexibel bin und kurzfristig auf Wetter und Schneelage reagieren kann, bevorzuge ich persönlich häufig September und Oktober.

Man bekommt dann weniger Menschen, angenehmere Temperaturen und teilweise eine sehr viel ruhigere Atmosphäre.

Die Randsaison ist für mich deshalb nicht schlechter als die Hauptsaison.

Sie braucht einfach mehr Planung.

Und genau das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt dieses gesamten Guides: Ich würde einen Monat niemals isoliert betrachten.

Eine Wanderung hängt nicht nur davon ab, ob auf dem Kalender Juni, September oder Oktober steht.

Höhe, Exposition, Region, aktuelle Schneelage und Wetter sind am Ende wesentlich wichtiger als der Name des Monats.

Separat geprüft

Quellen