Schweiz · Planungs-Guide

Wandern in der Schweiz ohne Auto

Zug, PostAuto und kleine Bergbahnen machen nicht nur die Anreise möglich. Sie erlauben vor allem Überschreitungen, die mit einem geparkten Auto deutlich unlogischer wären.

Blick aus einem Schweizer Zug auf See und Berge
Für mich beginnt die eigentliche Freiheit des Schweizer Verkehrsnetzes dort, wo eine Wanderung nicht wieder am gleichen Parkplatz enden muss.

Fünf Punkte zuerst

Kurz gesagt

  • Mein Standard Die meisten meiner Schweizer Wanderungen plane ich mit Zug, PostAuto und Bergbahn.
  • Der grösste Vorteil Überschreitungen von einem Tal ins nächste funktionieren ohne Rückweg zum Auto.
  • Zuerst prüfen Seltene Busse, Reservierungen und die letzte Bergbahn bestimmen den Plan.
  • Tickets EasyRide ist spontan praktisch, aber nicht automatisch die günstigste Lösung.
  • Wann ein Auto hilft Sehr frühe Starts, abgelegene Täler, Nebensaison und viel schwere Ausrüstung.

Die Schweiz bietet mit ihrem sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrssystem eine enorme Zahl an Möglichkeiten, Wanderungen vollständig ohne Auto zu unternehmen. Züge der SBB und anderer Bahngesellschaften, PostAutos, lokale Busse, kleinere Wandertaxis und unzählige Bergbahnen bringen einen teilweise erstaunlich weit in abgelegene Täler und auf hohe Ausgangspunkte.

Genau deshalb mache ich die meisten meiner Wanderungen in der Schweiz ohne Auto.

Der größte Vorteil ist für mich dabei gar nicht unbedingt der Preis oder die Geschwindigkeit, sondern die Freiheit bei der Routenplanung. Mit dem Auto denkt man relativ schnell in Rundwanderungen: Man startet bei Punkt A und muss am Ende irgendwie wieder zu Punkt A zurückkommen.

Mit dem öffentlichen Verkehr fällt diese Einschränkung praktisch weg.

Man kann auf einer Seite eines Berges starten, einen Pass überschreiten und auf der komplett anderen Seite wieder ins Tal absteigen. Man kann spontan eine Route verkürzen, an einer anderen Bergbahn enden oder bei schlechtem Wetter in ein anderes Tal ausweichen.

Viele meiner liebsten Wanderungen in der Schweiz funktionieren genau deshalb besonders gut ohne Auto.

Warum ich für Wanderungen häufig den Zug bevorzuge

Natürlich kann ein Auto praktisch sein. Trotzdem würde ich für viele klassische Schweizer Wanderungen zuerst überprüfen, ob die Tour nicht sinnvoller mit dem öffentlichen Verkehr funktioniert.

Ein großer Vorteil ist zunächst, dass das Schweizer Bahnnetz sehr schnell ist. Auf verschiedenen längeren Verbindungen können die Züge dank der großen Alpentunnel zeitlich durchaus mit dem Auto konkurrieren oder sogar schneller sein.

Noch wichtiger ist für mich allerdings die Möglichkeit, Überschreitungen zu planen.

Ein sehr gutes Beispiel ist meine Wanderung von Attinghausen über den Surenenpass nach Engelberg. Mit dem öffentlichen Verkehr fährt man morgens nach Attinghausen, nimmt dort die kleine Seilbahn aufs Brüsti, überschreitet anschließend den gesamten Bergzug und landet am Abend in Engelberg. Von dort fährt man einfach mit dem Zug wieder nach Hause.

Mit einem Auto müsste man sich anschließend noch überlegen, wie man irgendwie wieder nach Attinghausen zurückkommt.

Das gleiche Prinzip gilt für eine Vielzahl anderer Wanderungen.

Bei unserer Tour über die Greina starteten wir in Campo Blenio im Tessin und kamen mehrere Tage später in Curaglia in Graubünden wieder aus den Bergen heraus. Bei der Wanderung von Hinterbergen über Rigi Scheidegg nach Arth-Goldau beginnt und endet die Tour ebenfalls an völlig unterschiedlichen Orten.

Genau solche Wanderungen finde ich häufig interessanter als eine Tour, bei der ich am Nachmittag wieder den gleichen Weg zu meinem Auto zurücklaufen muss.

Die SBB-App ist mein wichtigstes Planungstool

Für die An- und Abreise benutze ich fast ausschließlich die SBB Mobile App.

Dort lassen sich nicht nur Züge finden. Ein großer Teil der PostAuto-Verbindungen, lokalen Busse, Schiffe und auch viele Bergbahnen ist direkt in den Fahrplan integriert. Zusätzlich kann die App Verbindungen speichern und aktuelle Informationen über Verspätungen, Gleiswechsel oder Ausfälle anzeigen. (sbb.ch "SBB Mobile Funktionen")

Meine Planung beginnt normalerweise trotzdem nicht beim Verkehrsmittel.

Zuerst suche ich mir die Wanderung aus und bestimme ungefähr, wo ich starten und wo ich enden möchte. Erst danach suche ich Start- und Endpunkt separat in der SBB-App.

Der Startpunkt ist dabei häufig relativ einfach.

Die wichtigere Frage lautet für mich:

Komme ich am Abend von meinem geplanten Endpunkt noch vernünftig weg?

Gerade in abgelegenen Bergtälern kann es sein, dass der letzte Bus bereits am späten Nachmittag fährt. Wenn ich diesen verpasse und der nächste Kurs erst am nächsten Morgen kommt, hilft mir wenig, dass die Hinfahrt am Morgen perfekt funktioniert hat.

Deshalb überprüfe ich bei jeder Wanderung nicht nur die erste mögliche Verbindung am Morgen, sondern insbesondere auch die letzten zwei oder drei sinnvollen Rückfahrmöglichkeiten am Abend.

Seltene Busse sind wichtiger als häufige Züge

Eine verpasste Zugverbindung ist in der Schweiz häufig kein großes Problem.

Wenn ich beispielsweise einen Anschluss in Bern oder Visp verpasse, fährt auf vielen Hauptstrecken nach einer halben oder einer Stunde bereits der nächste Zug.

In einem abgelegenen Seitental sieht die Sache komplett anders aus.

Ein PostAuto kann nur jede Stunde fahren, teilweise gibt es aber auch Abstände von zwei oder drei Stunden. Manche Linien verkehren überhaupt nur wenige Male am Tag.

Deshalb schaue ich bei Wanderungen besonders genau auf die schwächste Verbindung der gesamten Transportkette.

Wenn ich beispielsweise

Zug → Zug → PostAuto → kleine Seilbahn

benötige, interessiert mich weniger, dass alle 30 Minuten ein Zug fährt. Entscheidend ist möglicherweise die kleine Seilbahn oder das PostAuto, das nur viermal am Tag verkehrt.

Bei manchen PostAuto-Verbindungen ist außerdem eine Reservierung möglich oder sogar verpflichtend. Ob eine Reservierung notwendig ist, wird im Online-Fahrplan angezeigt; sie kann je nach Verbindung direkt online oder telefonisch vorgenommen werden. (postauto.ch "PostAuto Reservierungen")

Abfahrtstafel an einem Schweizer Bahnhof
Nicht die häufige Hauptstrecke, sondern die seltenste Verbindung entscheidet häufig über den Tag.

Das ist insbesondere bei saisonalen Berg- und Passlinien relevant.

Ein Beispiel sind verschiedene Bus-alpin- und Passverbindungen, die nur während der Sommersaison fahren. Auf der Verbindung Richtung Greina fährt beispielsweise der Bus von Vrin weiter nach Parvalsauns nur ungefähr von Mitte Juni bis Mitte Oktober und muss reserviert werden. (postauto.ch "PostAuto Vrin–Parvalsauns")

Gerade bei Wanderungen im späten Herbst kann eine Verbindung, die im Juli selbstverständlich funktioniert, also längst eingestellt sein.

Kleine Seilbahnen separat überprüfen

Bei Bergbahnen verlasse ich mich ebenfalls nicht ausschließlich auf die SBB-App.

Viele größere Bahnen sind sehr gut in den öffentlichen Fahrplan integriert. Kleinere private oder familiengeführte Seilbahnen können dagegen eigene Fahrpläne haben oder teilweise überhaupt nur nach Bedarf fahren.

Deshalb überprüfe ich die konkrete Bergbahn normalerweise noch einmal direkt beim Betreiber.

Gerade diese kleinen Bahnen mag ich persönlich ziemlich gerne.

Ich bin kein besonders großer Fan davon, zwei Stunden direkt unter einer großen Gondel auf einen Gipfel zu laufen, nur um oben zwischen zahlreichen Menschen anzukommen, die gerade bequem mit der Bahn hochgefahren sind.

Kleine Bahnen wie Hinterbergen oberhalb von Vitznau oder Attinghausen–Brüsti finde ich dagegen ausgesprochen praktisch.

Sie sparen häufig 700 bis 1.000 Höhenmeter eines wenig interessanten Talaufstiegs und machen dadurch aus einer sonst sehr langen Tour erst eine wirklich gute Tageswanderung.

Gleichzeitig sind diese kleinen Bahnen häufig relativ günstig.

Dafür muss man sich aber mit eingeschränkteren Betriebszeiten auseinandersetzen. Manche verkehren nur saisonal, andere nach Bedarf und wieder andere stellen am späten Nachmittag bereits den Betrieb ein.

Die letzte Talfahrt ist für mich deshalb eine echte Deadline.

Ich plane niemals damit, drei Minuten vor Betriebsschluss anzukommen. Nach einem langen Wandertag möchte ich nicht feststellen, dass mich unter einer stillstehenden Gondel noch einmal 800 zusätzliche Höhenmeter Abstieg erwarten.

Früh starten lohnt sich

Gerade im Sommer versuche ich bei längeren Wanderungen möglichst früh unterwegs zu sein.

Wenn die Anreise es zulässt, möchte ich häufig ungefähr zwischen 6 und 7 Uhr bereits unterwegs beziehungsweise zumindest auf dem Weg zum eigentlichen Trailhead sein.

Das hat mehrere Vorteile.

Zum einen hat man am Ende des Tages wesentlich mehr Zeitreserve. Zum anderen ist es morgens meist ruhiger und gerade auf bekannteren Touren kann man den größeren Besucherströmen zumindest für einige Stunden entgehen.

Auch wettertechnisch kann ein früher Start sinnvoll sein.

Blick aus einer Gondel in den Bergen
Kleine Bergbahnen sparen häufig einen langen Talaufstieg und machen eine Tour als Tageswanderung sinnvoll.

Insbesondere im Sommer treten Gewitter in den Alpen häufig eher im späteren Tagesverlauf auf. Wenn eine längere Tour über einen ausgesetzten Grat führt, bin ich lieber bereits am frühen Nachmittag wieder aus dem problematischen Gelände heraus.

Das Problem ist allerdings häufig gar nicht der Zug.

Züge fahren in der Schweiz schon sehr früh. Bergbahnen beginnen ihren Betrieb dagegen häufig erst zwischen 7 und 9 Uhr und auch einige Bergbusse fahren morgens nur wenige Kurse.

Wer wirklich zum Sonnenaufgang auf einem Berg stehen möchte, muss deshalb meistens entweder bereits in der Nähe des Ausgangspunkts übernachten oder den eigentlichen Aufstieg zu Fuß machen.

Der Vorteil ist offensichtlich: Zu dieser Zeit ist man häufig nahezu alleine.

EasyRide: sehr angenehm für spontane Fahrten

Eine Möglichkeit, die ich für spontane normale ÖV-Fahrten angenehm finde, ist EasyRide in der SBB-App.

Man checkt vor Beginn der Fahrt ein, kann anschließend innerhalb des EasyRide-Netzes umsteigen und checkt am Ziel wieder aus. Danach wird aus den gefahrenen Strecken automatisch ein möglichst günstiger passender Preis berechnet. EasyRide funktioniert unter anderem in Zügen, PostAutos, Bussen, Trams und auf vielen Schiffen. (sbb.ch "SBB EasyRide")

Man sollte allerdings daran denken, sich am Ende tatsächlich wieder auszuchecken.

Für eine lange, vorher bekannte Wanderanreise benutze ich EasyRide außerdem nicht automatisch.

Spartageskarten und Sparbillette werden von EasyRide nicht angeboten. Wenn ich meine Wanderung bereits einige Tage vorher kenne, kann es also günstiger sein, vorher bewusst ein anderes Ticket zu kaufen. (sbb.ch "EasyRide Preise")

Welche Tickets lohnen sich?

Ich würde gerade bei längeren Wanderanreisen nicht automatisch ein normales Einzelticket zum Vollpreis kaufen.

Welche Variante am besten ist, hängt natürlich stark davon ab, wie häufig man in der Schweiz unterwegs ist, wie alt man ist und ob man hier lebt oder nur zu Besuch kommt.

Einige Angebote finde ich für Wanderer besonders interessant:

Halbtax: Für Personen zwischen 16 und unter 25 kostet das Halbtax aktuell CHF 120 pro Jahr, für Erwachsene ab 25 CHF 190 beim ersten Kauf. Auf den meisten Bahn-, Bus-, PostAuto- und Schiffsverbindungen bezahlt man damit ungefähr die Hälfte beziehungsweise einen reduzierten Preis. Auch viele Bergbahnen bieten mit Halbtax reduzierte Tarife an. (sbb.ch "SBB Halbtax")

Spartageskarte: Mit Halbtax gibt es die Spartageskarte in der 2. Klasse bei früher Buchung bereits ab CHF 29. Gerade wenn man morgens quer durch die Schweiz zu einer Wanderung fährt und am Abend von einem völlig anderen Ort zurückkommt, kann das sehr attraktiv sein. (sbb.ch "SBB Tageskarten")

Blick entlang der Strecke einer Standseilbahn in Locarno
Lokale Bahnen, Schiffe und Bergverbindungen lassen sich oft kombinieren, folgen aber nicht immer denselben Ticketregeln.

Friends-Tageskarte Jugend: Zwei, drei oder vier Personen unter 25 können gemeinsam für CHF 80 insgesamt einen Tag in der 2. Klasse im GA-Geltungsbereich reisen. Zu viert sind das also nur CHF 20 pro Person. Ein Halbtax ist dafür nicht erforderlich. (sbb.ch "Friends-Tageskarte Jugend")

Tandem-Tageskarte: Wer beispielsweise ein Jugend-GA besitzt, kann eine weitere Person unter 25 für CHF 20 pro Tag mitnehmen. Pro berechtigtem GA kann gleichzeitig eine Begleitperson mitfahren. (sbb.ch "Tandem-Tageskarte")

Night GA: Für Personen unter 25 kostet das Night GA aktuell CHF 99 pro Jahr. Es gilt ab 19 Uhr bis 5 Uhr morgens und an Samstagen, Sonntagen und allgemeinen Feiertagen sogar bis 7 Uhr morgens. Dadurch kann es beispielsweise interessant sein, bereits am Vorabend einen großen Teil der Anreise zu einer Wanderregion zurückzulegen. (sbb.ch "Night GA")

Für Besucher aus dem Ausland: Hier können insbesondere die Swiss Half Fare Card oder ein Swiss Travel Pass interessant sein. Die Swiss Half Fare Card kostet aktuell CHF 150 für einen Monat und reduziert unter anderem Bahn-, Bus-, Schiffs- und viele Bergbahntickets. (sbb.ch "Swiss Half Fare Card")

Bei Bergbahnen würde ich allerdings nie pauschal davon ausgehen, dass ein GA die Fahrt vollständig abdeckt.

Einige Bahnen liegen im GA-Geltungsbereich, bei anderen erhält man lediglich einen reduzierten Tarif und wieder andere private Bahnen haben eigene Regeln. SBB bietet dafür eine eigene Geltungsbereichskarte. (sbb.ch "GA- und Halbtax-Geltungsbereich")

Auch Gästekarten können einen deutlichen Unterschied machen. Viele Ferienregionen bieten vergünstigte oder teilweise kostenlose lokale Verkehrsmittel und Rabatte auf Bergbahnen an. Wenn ich irgendwo mehrere Nächte übernachte, würde ich deshalb immer kurz kontrollieren, was in der Gästekarte enthalten ist.

Was passiert bei einem verpassten Anschluss?

Hier unterscheide ich sehr stark zwischen Zug, Bus und Bergbahn.

Bei einem verpassten Zug bleibe ich normalerweise relativ entspannt. Auf den großen Strecken gibt es meistens relativ schnell eine Alternative.

Ich habe selbst schon lange in Bern gewartet, weil eine Verbindung aus Zürich verspätet war und ich dadurch meinen Anschluss Richtung Visp verpasst hatte. Das ist ärgerlich, aber in der Regel kein ernsthaftes logistisches Problem.

Bei einem seltenen PostAuto ist es anders.

Wenn der nächste Bus erst zwei Stunden später fährt, kann ein verpasster Anschluss den kompletten Tagesplan verändern.

Ich würde deshalb nicht pauschal davon ausgehen, dass ein Bus auf jeden verspäteten Zug wartet. Fahrpläne sind in der Schweiz sehr gut aufeinander abgestimmt und viele Anschlüsse funktionieren erstaunlich zuverlässig, aber gerade bei seltenen Linien plane ich trotzdem etwas konservativer.

Noch problematischer ist die letzte Bergbahn des Tages.

Wenn sie weg ist, kommt möglicherweise überhaupt kein weiteres Verkehrsmittel. Dann bleibt nur der Abstieg zu Fuß.

Je nach Ort kann es ein Taxi oder Alpentaxi geben. Darauf würde ich mich aber ebenfalls nicht spontan verlassen. In abgelegenen Tälern kann der Mobilfunkempfang schlecht sein und manche Angebote müssen vorher reserviert werden.

Wenn ein Taxi für meine Tour eine realistische Backup-Option sein soll, speichere ich mir die Telefonnummer deshalb vorher.

Per Anhalter weiterzukommen kann natürlich funktionieren und ich habe das selbst außerhalb der Schweiz schon genutzt. Als eigentlichen Tourenplan würde ich darauf aber nicht bauen.

Der größte Vorteil: Überschreitungen statt Rundwanderungen

Für mich bleibt der mit Abstand größte Vorteil des öffentlichen Verkehrs die Möglichkeit, Wanderungen nicht als Rundtour planen zu müssen.

Wenn ich mit einem Auto anreise, denke ich automatisch darüber nach:

Wie komme ich wieder zum Parkplatz?

Dadurch läuft man häufig den gleichen Weg zurück oder baut eine künstliche Runde ein, obwohl die landschaftlich interessanteste Route eigentlich auf der anderen Seite des Berges enden würde.

Sessellift oberhalb des Lago Maggiore
Unterschiedliche Tal- und Bergverbindungen ermöglichen Touren mit völlig verschiedenen Start- und Endpunkten.

Mit dem Schweizer ÖV kann ich dagegen einfach von A nach B wandern.

Ich kann aus einem Tal aufsteigen, einen Pass überschreiten und in einem komplett anderen Tal wieder herunterkommen.

Dadurch sieht man häufig wesentlich mehr von der Landschaft und vermeidet gleichzeitig unnötige Rückwege.

Einige meiner eigenen Touren zeigen das ziemlich gut:

Klosters → Schlappin → Madrisa funktioniert perfekt mit Zug, Bus und Gondel.

Flüelapass → Schwarzhornfurgga → Grialetschhütte → Dürrboden wäre mit einem eigenen Auto deutlich umständlicher.

Guarda → Chamonna Tuoi → Ardez oder Motta Naluns/Scuol verbindet ebenfalls unterschiedliche Ausgangs- und Endpunkte.

Campo Blenio → Greina → Curaglia führt sogar vom Tessin bis nach Graubünden.

Attinghausen → Surenenpass → Fürenalp → Engelberg ist für mich fast ein Paradebeispiel für eine Wanderung, die durch öffentliche Verkehrsmittel wesentlich logischer wird.

Und auch Hinterbergen → Rigi Scheidegg → Arth-Goldau funktioniert genau deshalb so gut.

Bei all diesen Touren muss man sich nie Gedanken darüber machen, wie man nach der Wanderung wieder zum ursprünglichen Parkplatz zurückkommt.

Wann ich trotzdem ein Auto nehmen würde

Es gibt natürlich Situationen, in denen ich ein Auto klar praktischer finde.

Wenn ich vor dem ersten Bus oder der ersten Bergbahn starten möchte, kann ein Auto die einzige sinnvolle Möglichkeit sein.

Das gleiche gilt für extrem abgelegene Täler, in denen nur wenige öffentliche Verbindungen existieren.

Besonders in der Nebensaison wird das relevant. Ende Oktober oder im November können Sommerbusse und Bergbahnen bereits eingestellt sein, obwohl die Wanderbedingungen weiter unten noch hervorragend sind.

Auch wenn ich viel Camping-, Foto- oder sonstige schwere Ausrüstung transportiere, wird ein Auto irgendwann schlicht angenehmer.

Für eine Gruppe von fünf oder sechs Personen kann es außerdem finanziell sinnvoller sein, gemeinsam mit einem Auto anzureisen, sofern eines ohnehin vorhanden ist.

Und wenn ich nur sehr wenig Zeit habe und schnellstmöglich von einem bestimmten Ausgangspunkt zum nächsten kommen muss, gewinnt manchmal ebenfalls das Auto.

Ich bin also keineswegs grundsätzlich gegen ein Auto.

Ich würde nur bei einer normalen Wanderreise in der Schweiz nicht automatisch davon ausgehen, dass man eines braucht.

Mein einfacher Planungsablauf

Mein Ablauf ist am Ende eigentlich ziemlich simpel:

Route festlegen → Start und Ziel in SBB Mobile prüfen → erste sinnvolle Hinfahrt suchen → letzte zwei sinnvollen Rückfahrten prüfen → seltene PostAuto-/Alpentaxi-Verbindungen auf Reservierung kontrollieren → Bergbahn separat beim Betreiber prüfen → passende Tickets vergleichen → Hin- und Rückverbindung speichern → Offline-Wanderkarte herunterladen → Wetter am Vorabend und morgens erneut kontrollieren.

Damit sind eigentlich die meisten logistischen Probleme bereits geklärt, bevor ich morgens das Haus verlasse.

Bei besonders seltenen Verbindungen mache ich zusätzlich einen Screenshot des Fahrplans beziehungsweise speichere wichtige Telefonnummern ab. Gerade in einem Tal ohne Mobilfunk ist es wenig hilfreich, erst dort herauszufinden, dass die benötigten Informationen ausschließlich online verfügbar sind.

Würde ich eine Wanderreise durch die Schweiz ohne Auto empfehlen?

Für die meisten klassischen Wanderreisen in der Schweiz: ja, eindeutig.

Gerade wenn man entlang der bekannten Bahnachsen und in Regionen mit funktionierendem PostAuto- und Bergbahnnetz unterwegs ist, bietet der öffentliche Verkehr meiner Meinung nach sogar mehr Möglichkeiten als ein Auto.

Man ist bei Überschreitungen flexibler, kann spontan in ein anderes Tal absteigen und muss eine Route nicht künstlich um einen Parkplatz herum planen.

Natürlich gibt es abgelegene Ausgangspunkte, sehr frühe Starts und Randzeiten der Saison, bei denen ein Auto praktischer ist.

Für den Großteil meiner Wanderungen würde ich allerdings jederzeit wieder Zug, PostAuto und Bergbahn kombinieren.

Gerade dieses Netz ist für mich einer der Gründe, warum Wandern in der Schweiz so angenehm ist: Man muss nicht überlegen, wie man wieder zu seinem Fahrzeug zurückkommt, sondern kann sich viel stärker die Frage stellen, wo man eigentlich hinwandern möchte

Separat geprüft

Quellen