Über den Surenenpass von Attinghausen nach Engelberg

Engelberg lässt sich sowohl im Sommer als auch im Winter sehr gut mit der Bahn über Luzern erreichen. In unserem Fall wollten wir allerdings einmal eine andere Route ausprobieren und Engelberg zu Fuß über den Surenenpass erreichen.

Wir entschieden uns für diese Wanderung relativ früh in der eigentlichen Sommersaison, am 4. Juli. Obwohl Anfang Juli zunächst nach einer relativ sicheren Zeit für eine solche Wanderung klingt, mussten wir feststellen, dass insbesondere an schattigen und nordseitig ausgerichteten Hängen noch überraschend viel Schnee lag.

Die Anreise erfolgte für uns aus Zürich zunächst mit einem direkten Zug nach Altdorf und anschließend mit dem Bus nach Attinghausen. Von dort kann man mit der kleinen Luftseilbahn Attinghausen–Brüsti direkt auf rund 1.530 Meter fahren und sich damit bereits ungefähr die ersten 1.000 Höhenmeter ersparen. Die einfache Fahrt kostet 2026 für Erwachsene 12 Franken. Wer wie wir über den Surenenpass läuft und anschließend mit der Fürenalpbahn wieder ins Tal fährt, kann sogar ein gemeinsames Surenenpass-Wanderticket für beide Bahnen für aktuell 18,50 Franken kaufen. Luftseilbahn Attinghausen-Brüsti

Oben am Brüsti angekommen ging es für uns bereits früh los. Der erste Abschnitt führt über einen sehr schönen Gratweg am Chräienhöreli entlang. Dabei hat man immer wieder weite Aussichten über die Urner Bergwelt. Der Weg gewinnt zunächst eher gemächlich an Höhe und führt später immer weiter in Richtung Surenenpass. Engelberg

Blick vom Brüsti über das Reusstal
Die Tour beginnt hoch über dem Reusstal.

Nach und nach kommt man unter die deutlich höheren Berge rund um den Pass. Besonders der Brunnistock mit 2.952 Metern und der Blackenstock mit rund 2.930 Metern dominieren hier zunehmend die Landschaft. Schweizer Alpen-Club SAC

Ab ungefähr 2.000 Metern hatten wir Anfang Juli allerdings zunehmend mit Schnee zu kämpfen. Zu Beginn war das noch kein größeres Problem. Der Weg war weder besonders steil noch stark ausgesetzt und führte eher gleichmäßig bergauf und bergab. Die vorhandenen Schneefelder ließen sich entsprechend relativ einfach passieren.

Das änderte sich allerdings auf den letzten ungefähr 250 Höhenmetern zum Surenenpass. Hier lag teilweise noch deutlich mehr Schnee und wir mussten uns stellenweise durch relativ tiefen Altschnee nach oben arbeiten. Entsprechend kamen wir erheblich langsamer voran als auf dem restlichen Aufstieg.

Oben am 2.292 Meter hohen Surenenpass angekommen, eröffnete sich uns dann ein ziemlich absurdes Bild. Auf den schattigeren, nordseitig ausgerichteten Hängen lag teilweise noch fast ein Meter Schnee, während die sonnigeren Hänge auf der anderen Seite bereits weit ins Tal hinunter vollständig grün waren.

Tiefer Altschnee unterhalb des Surenenpasses
Der Schnee machte den letzten Aufstieg wesentlich langsamer.

Gerade dieser Kontrast war wahrscheinlich einer der eindrücklichsten Momente der Wanderung. Innerhalb weniger Meter wechselte die Landschaft von einer fast winterlichen Schneelandschaft zurück zu grünen Alpweiden.

Sehr froh darüber, nun zunächst wieder deutlich weniger Schnee vor uns zu haben, ging es an der kleinen Schutzhütte knapp unterhalb des Surenenpasses vorbei und anschließend hinunter in Richtung Blackenalp. Die Hütte dient vor allem als Schutz bei schlechtem Wetter und liegt nur wenig unterhalb der Passhöhe. Alpcatrina

Der Abstieg führt nun durch eine zunehmend grünere Landschaft bis zur Blackenalp auf etwa 1.770 Metern. Im Sommer gibt es dort ebenfalls eine kleine Einkehrmöglichkeit, sodass sich die Alp gut für eine Pause anbietet. Swiss Family Fun

Von der Blackenalp ging es für uns weiter talwärts in Richtung Stäuberfall. Dort hat man noch einmal einen sehr schönen Blick auf den Wasserfall und erreicht gleichzeitig einen Punkt, an dem man sich entscheiden kann, wie man die Wanderung beenden möchte.

Die einfachste Möglichkeit wäre, von dort weiter direkt in Richtung Talstation der Fürenalpbahn beziehungsweise letztendlich bis Engelberg abzusteigen. Wer noch genügend Kraft hat, kann aber auch – so wie wir – auf der Höhe bleiben und noch einmal in Richtung Fürenalp laufen.

Grüne Alpweiden auf der Engelberger Seite
Direkt hinter dem Pass wechselte die Landschaft wieder zu grünen Hängen.

Wir entschieden uns für diese Variante. Der zusätzliche Höhenweg zieht sich oberhalb des Tals entlang und bietet noch einmal sehr schöne Aussichten auf die gegenüberliegenden Berge. Besonders Gross Spannort, Bärenhorn und später auch der Titlis bilden hier einen sehr eindrücklichen Hintergrund. Gerade nach dem langen Aufstieg und der Passage über den Surenenpass fand ich diesen letzten Abschnitt noch einmal sehr angenehm. Fürenalp

Schließlich erreicht man die Fürenalp auf etwa 1.850 Metern. Von dort muss man die letzten knapp 850 Höhenmeter nach Engelberg nicht mehr zu Fuß absteigen, sondern kann bequem die Luftseilbahn nehmen.

Die einfache Talfahrt kostet 2026 für Erwachsene 14 Franken. Die Bahn fährt regulär etwa alle 20 Minuten, bei Bedarf gibt es zusätzliche Fahrten und bei hohem Besucheraufkommen teilweise sogar einen deutlich dichteren Takt. Im Juli, August und September fährt sie von 8:00 bis 17:40 Uhr. Fürenalp

Von der Talstation der Fürenalpbahn kommt man anschließend ebenfalls relativ unkompliziert zurück nach Engelberg. Während der Sommersaison fährt ein kostenloser Ortsbus von der Talstation direkt zum Bahnhof Engelberg. Die Fahrt dauert ungefähr elf Minuten. Fürenalp

In unserer Variante hatte die gesamte Wanderung eine Länge von 14,7 Kilometern mit 1.144 Höhenmetern im Aufstieg und 737 Höhenmetern im Abstieg.

Weiter Blick von der Fürenalp auf die Engelberger Berge
Der zusätzliche Höhenweg zur Fürenalp war für uns ein starker Abschluss.

Wie schwierig ist die Wanderung?

Technisch fand ich die Tour bei normalen Bedingungen nicht besonders schwierig. Die offizielle Route wird als T2 geführt und ist durchgehend weiß-rot-weiß markiert. Sie verläuft größtenteils auf normalen Bergwanderwegen und enthält keine wirklichen Kletterpassagen. Konditionell sollte man die Tour mit mehr als 1.000 Höhenmetern Aufstieg und knapp 15 Kilometern Strecke allerdings nicht unterschätzen. Engelberg

Bei uns war die eigentliche Schwierigkeit eindeutig der Schnee. Ohne die Schneefelder wäre die Wanderung wesentlich einfacher gewesen. Durch den teilweise tiefen Schnee unterhalb des Surenenpasses wurde der letzte Aufstieg dagegen deutlich langsamer und anstrengender.

Gerade bei einer Wanderung Ende Juni oder Anfang Juli würde ich deshalb vorher unbedingt die aktuelle Schneelage überprüfen. Dabei helfen beispielsweise aktuelle Webcams und die Schneeinformationen von swisstopo. Das SLF beziehungsweise White Risk bietet ebenfalls Informationen zur aktuellen Schnee- und Lawinensituation. Wichtig ist allerdings, dass reguläre SLF-Schneehöhenkarten nur bis Ende Juni veröffentlicht werden und Lawinenbulletins im Sommer nur situationsbedingt erscheinen. SLF

Wenn auf der Route noch größere Schneefelder liegen, sollte man meiner Meinung nach außerdem einschätzen können, ob man sie sicher begehen kann. Es geht dabei nicht nur darum, im Schnee laufen zu können, sondern auch um die Härte des Schnees, die Möglichkeit auszurutschen und – je nach Wetter und Schneesituation – mögliche Lawinengefahr. Wanderstöcke wären bei unseren Bedingungen auf jeden Fall hilfreich gewesen.

Sobald der Surenenpass vollständig schneefrei ist, ist die Tour dagegen technisch relativ unkompliziert. Dann liegt die eigentliche Herausforderung vor allem in der Länge und den Höhenmetern.

Gerade als Überschreitung von Uri nach Engelberg finde ich sie aber sehr schön. Man startet mit Blick über das Reusstal, bewegt sich langsam in eine deutlich hochalpinere Landschaft hinein, überschreitet mit dem Surenenpass den höchsten Punkt und läuft anschließend durch die grünen Alpweiden auf der Engelberger Seite. Mit der Fürenalp als Abschluss und den beiden Seilbahnen an Anfang und Ende lässt sich daraus eine sehr gute, lange Tageswanderung machen.