Eine Frühlingstour auf der Südseite

Eine Wanderung, die sich je nach Schneelage bereits sehr gut im Frühjahr machen lässt, führt über die Südseite der Rigi. Statt sich der sehr beliebten und entsprechend häufig vollen Nordseite zu nähern, startet man dabei oberhalb von Vitznau und läuft über Rigi Scheidegg bis nach Arth-Goldau.

Wir machten die Wanderung Ende April und fuhren zunächst über Zug nach Vitznau. Von dort ging es mit der kleinen Luftseilbahn Vitznau–Hinterbergen hinauf. Die Bahn ist deutlich kleiner als die bekannten Rigi-Bahnen und wird unabhängig von diesen betrieben. Sie fährt ohne festen Fahrplan nach Bedarf und bringt einen in wenigen Minuten auf rund 1.100 Meter Höhe. Mit aktuell 10 Franken für eine einfache Fahrt ist sie für Schweizer Verhältnisse zudem erstaunlich günstig.

Von Hinterbergen führt die Wanderung zunächst relativ entspannt über Wiesen und kleinere Fahrwege bergauf. Nach einiger Zeit erreicht man die Fälmisegg auf 1.176 Metern, einen kleinen Sattel zwischen dem Vitznauerstock und dem weiteren Rigi-Massiv. Von hier wird der Weg langsam steiler und folgt weiter dem Rücken in Richtung Rigi Scheidegg.

Vierwaldstättersee und Pilatus oberhalb des Waldes bei Hinterbergen
Die ersten offenen Blicke erscheinen schnell oberhalb von Hinterbergen.

Gerade dieser Abschnitt gefiel mir ziemlich gut. Man befindet sich deutlich abseits der volleren Bereiche um Rigi Kulm und hat trotzdem immer wieder weite Ausblicke auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Gleichzeitig gewinnt man stetig an Höhe, bis man schließlich Rigi Scheidegg erreicht.

Oben angekommen gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwas zu essen oder zu trinken und eine Pause einzulegen. Vor allem bei gutem Wetter lohnt es sich, hier etwas länger zu bleiben, da die Aussicht weit über die Zentralschweiz reicht.

Unsere Bedingungen Ende April

Bei unserer Wanderung Ende April war die gesamte Strecke praktisch schneefrei. Der einzige größere Schneerest lag direkt hinter Rigi Scheidegg am schattigen Nordhang unterhalb des Dossen. Dort mussten wir noch ein mittelgroßes Schneefeld passieren, ansonsten liefen wir die gesamte Wanderung auf schneefreiem Untergrund.

Rinder auf einer sonnigen Wiese auf der Südseite der Rigi
Der untere Teil der Route führt durch bewirtschaftete Wiesen oberhalb von Vitznau.

Gerade im Frühjahr würde ich daraus allerdings nicht schließen, dass die Route jedes Jahr zur gleichen Zeit problemlos machbar ist. Die Schneelage kann sich von Jahr zu Jahr deutlich unterscheiden. Sehr hilfreich sind dafür die Webcams der Rigi Bahnen, über die man sich kurz vor der Wanderung einen ziemlich guten Eindruck von den tatsächlichen Verhältnissen machen kann. Zusätzlich lässt sich die aktuelle Schneelage über den Schneehöhen-Layer der swisstopo-App oder die Schneekarten des SLF beziehungsweise White Risk überprüfen.

Möglichkeiten ab Rigi Scheidegg

Ab Rigi Scheidegg kann man die Wanderung sehr unterschiedlich fortsetzen. Wer eine kürzere Runde machen möchte, kann auf einer anderen Route wieder in Richtung Hinterbergen zurücklaufen. Eine weitere Möglichkeit ist, dem Rigi-Kamm weiter zu folgen und später mit einer der Rigi-Bahnen ins Tal zu fahren. Wer gar nicht mehr weiterlaufen möchte, kann von Rigi Scheidegg ebenfalls direkt mit der Seilbahn und anschließend der Zahnradbahn in Richtung Arth-Goldau absteigen.

Wir entschieden uns allerdings für die längste Variante und liefen vollständig nach Arth-Goldau hinunter.

Von Rigi Scheidegg führt der Weg zunächst relativ angenehm über das breite Plateau. Hier läuft man noch auf sehr gut ausgebauten Wegen und verliert nur langsam an Höhe. Später beginnt ein längerer Abstieg über Forststraßen, bevor sich der Charakter der Wanderung deutlich verändert.

Offene Wiese und verschneite Alpen nahe Rigi Scheidegg
Ende April wirkten die sonnigen Hänge bereits fast sommerlich.

Der Weg wird schließlich kleiner und führt teilweise ziemlich steil durch den Wald hinunter. Immer wieder öffnen sich zwischen den Bäumen Ausblicke in Richtung Arth-Goldau und auf die umliegenden Berge. Nach dem langen offenen Abschnitt rund um Rigi Scheidegg fühlt sich dieser Teil fast wie eine zweite, deutlich waldigere Wanderung an.

Weiter unten erreicht man schließlich wieder breitere Forstwege und der Abstieg wird zunehmend flacher. Von dort ist es nicht mehr weit bis Arth-Goldau und damit direkt zum Bahnhof.

Distanz und Schwierigkeit

In unserer Variante kamen wir insgesamt auf 13,8 Kilometer, 625 Höhenmeter im Aufstieg und 1.130 Höhenmeter im Abstieg. Gerade die vielen Höhenmeter bergab sollte man dabei nicht vollständig unterschätzen. Konditionell ist der Aufstieg nicht besonders extrem, aber nach mehr als 1.000 Metern Abstieg merkt man die Wanderung irgendwann durchaus in den Beinen.

Der große Vorteil der Route ist allerdings, dass man sie sehr flexibel gestalten kann. Wer unterwegs merkt, dass die komplette Strecke zu lang wird, hat rund um Rigi Scheidegg mehrere Möglichkeiten, die Tour deutlich abzukürzen und mit Bahn oder Gondel ins Tal zurückzukehren.

Schneebedeckte Alpen hinter grünen Wiesen auf der Rigi
Die Südseite öffnet sich immer wieder zu den höheren Alpen.

Gerade Ende April beziehungsweise im späteren Frühjahr fand ich die Südseite der Rigi dafür sehr angenehm. Bei uns war die Strecke bis auf das einzelne Schneefeld unterhalb des Dossen komplett schneefrei und bei gutem Wetter problemlos zu wandern. Während viele höher gelegene Touren in den Alpen zu dieser Jahreszeit noch tief im Schnee liegen können, bekommt man hier bereits eine richtige Bergwanderung mit weiten Aussichten über den Vierwaldstättersee und die Zentralschweiz.

Für mich ist die Route deshalb eine sehr gute Option für die Übergangszeit: bereits ein richtiges Berggefühl, aber ohne dafür schon eine klassische hochalpine Sommerwanderung planen zu müssen.