Brissago · Field Note
Brissago: Regen, Nebel, klarer Morgen
Nach einem durchnässten Aufstieg sahen wir am Abend fast nichts. Am nächsten Morgen lag plötzlich ein großer Teil der Alpen offen vor der Hütte.

Fünf Punkte zuerst
Kurz gesagt
- Der Aufstieg Mehr als zweieinhalb Stunden im wechselnden Regen bis zum Rifugio Al Legn.
- Der Abend Nasse Kleidung, Nebel und praktisch keine Aussicht.
- Der Morgen Klarer Himmel, Lago Maggiore und eine lange Kette von Alpengipfeln.
- Die Ruhe Fast zwei Stunden lang waren wir vollständig allein.
- Was blieb Nicht nur die Aussicht, sondern der unmittelbare Wechsel zwischen beiden Tagen.
Der nasse Aufstieg von Brissago
Einer der wahrscheinlich eindrücklichsten Momente bei meinen Wanderungen in der Schweiz begann mit einer Fahrt nach Brissago im Regen. Schon zu Beginn war eigentlich klar, dass uns kein besonders angenehmer Aufstieg bevorstehen würde.

Auf dem gesamten Weg wechselten sich leichter Nieselregen und deutlich stärker werdender Regen ab. Je höher wir kamen, desto mehr verschwand die Umgebung im Nebel. Nach über zweieinhalb Stunden erreichten wir das Rifugio Al Legn schließlich völlig durchnässt und ziemlich kaputt.
Von der Aussicht, wegen der wir eigentlich dort oben waren, war an diesem Abend praktisch nichts zu sehen. Berge, Täler und der See irgendwo weit unter uns waren höchstens zu erahnen. Wir zogen die nassen Sachen aus, versuchten etwas zu trocknen und gingen irgendwann mit dem Gedanken ins Bett, von der Landschaft vielleicht fast nichts zu sehen.
Der nächste Morgen
Am nächsten Morgen hätte der Unterschied kaum größer sein können. Als wir aus der Hütte kamen, lag vor uns ein klarer Himmel. Der Nebel des Vortags war verschwunden und plötzlich öffnete sich über dem Lago Maggiore ein sehr weiter Blick über die Alpen.

Noch eindrücklicher als die Aussicht war wahrscheinlich die Ruhe. Niemand sonst hatte in der Hütte übernachtet und für fast zwei Stunden gehörte dieser Morgen nur uns. Keine Gespräche anderer Wanderer und keine Geräusche aus dem Tal, nur die Berge und der langsam heller werdende Himmel.

Warum mir dieser Kontrast geblieben ist
Nur wenige Stunden zuvor hatten wir kaum mehr als den Weg vor uns gesehen. Nun lagen der See und eine lange Reihe von Gipfeln offen unterhalb der Hütte. Genau dieser Wechsel ließ den Morgen fast unwirklich wirken.
Erst nach ungefähr zwei Stunden kam der erste Wanderer aus dem Tal nach oben. Zu diesem Zeitpunkt packten wir bereits für die nächste Etappe. Der klare Morgen machte den unangenehmen Aufstieg nicht ungeschehen. Er machte die Nacht gerade deshalb so besonders, weil beide Seiten des Berges zu derselben Wanderung gehörten.
