Denali · Kompletter Planungs-Guide

Denali ohne Auto

Anreise, Riley Creek, Parkbusse und vier flexible Tage liessen sich für uns überraschend unkompliziert ohne Führerschein organisieren.

Denali über offenen Tundraflächen und Bergketten
Denali ohne Auto bedeutete nicht weniger Park. Innerhalb des Parks waren Busse ohnehin der entscheidende Zugang.

Fünf Punkte zuerst

Kurz gesagt

  • Die Anreise Coach oder Bahn verbinden Anchorage und Denali; wir wählten den günstigeren Coach.
  • Die Basis Riley Creek funktionierte durch Shuttle, Bus Depot und Visitor Center besonders gut.
  • Im Park Jenseits des öffentlich befahrbaren Abschnitts brauchen auch Autofahrer einen Parkbus.
  • Zeit Drei bis vier volle Tage geben Spielraum für Wetter, Busfahrt und Wanderung.
  • Mein Fazit Essen und Gepäck brauchen mehr Planung, vor Ort fehlte uns das Auto kaum.

Warum wir Denali ohne Auto planten

Als ich erfahren hatte, dass ich in Seattle studieren würde, wusste ich ziemlich schnell, dass ich die geografische Lage auch für eine Reise nutzen wollte. Ich war zunächst etwas unentschieden zwischen Alaska und Mexiko, kam aber zu dem Schluss, dass ich wahrscheinlich nicht besonders häufig die Chance haben würde, Alaska von Seattle aus vergleichsweise einfach zu erreichen.

Einer der Orte, die ich dabei unbedingt sehen wollte, war der Denali-Nationalpark mit dem namensgebenden höchsten Berg Nordamerikas. Eine klare Einschränkung war uns allerdings von vornherein bewusst: Weder meine Schwester noch ich haben einen Führerschein. Die Reise musste also vollständig ohne Auto funktionieren.

Nach etwas Recherche wurde uns relativ schnell klar, dass dies wesentlich unkomplizierter sein würde als zunächst erwartet. Gerade der Denali ist innerhalb Alaskas einer der Orte, die sich meiner Meinung nach besonders gut ohne eigenes Fahrzeug besuchen lassen.

Von Anchorage zum Denali

Von Anchorage aus kommen ohne Auto vor allem die Bahn und verschiedene Coach-Verbindungen infrage. Die Bahn benötigt deutlich länger und wäre zu unserer Reisezeit mit ungefähr 200 Dollar pro Person und Strecke wesentlich teurer gewesen. Der Coach kostete bei unserer Buchung etwa 115 Dollar pro Person und versprach ebenfalls gute Aussichten entlang der Strecke.

Bus auf der Denali Park Road
Der Coach brachte uns bis zum Visitor Center; im Park übernahmen die Parkbusse.

Wir entschieden uns deshalb für Alaska Coach Travel und nahmen die frühe Verbindung gegen 6:15 Uhr. Mitte August war der Bus überraschend leer. Wir waren ungefähr elf Personen in einem Bus mit mehr als 50 Plätzen und konnten uns entsprechend ausbreiten, schlafen und etwas von dem frühen Start erholen.

Nach ungefähr zwei Stunden gab es eine Pause in Talkeetna. Am Morgen konnte man dort Kaffee und Frühstück kaufen. Eine Terrasse mit Aussicht gibt es ebenfalls, Denali selbst bekamen wir von dort allerdings nicht zu sehen.

Da der Bus so leer war und die Fahrt zügig verlief, kamen wir etwas früher als geplant am Denali Visitor Center an. Der genaue Preis, die Abfahrtsorte und der Fahrplan können sich verändern. Diese Angaben würde ich deshalb vor einer späteren Reise noch einmal überprüfen.

Wie der Eingangsbereich aufgebaut ist

Der Eingangsbereich wirkt auf einer Karte zunächst etwas verteilt, ist in der Praxis aber relativ übersichtlich. Rund um das Visitor Center befinden sich der Morino Grill, ein Park Store und mehrere Bushaltestellen. Etwas weiter in Richtung Riley Creek liegen das Denali Bus Depot und das Backcountry Information Center. Vom Bus Depot starten die meisten längeren Fahrten in den Park.

Der Bahnhof, das Visitor Center, das Bus Depot, der Riley Creek Campground und das Riley Creek Mercantile werden von kostenlosen Shuttles miteinander verbunden. Wer ohne Gepäck unterwegs ist, kann viele der Strecken auch laufen. Mit Zelten und größeren Taschen waren wir trotzdem froh, den Shuttle nutzen zu können.

Zwischen dem Visitor Center und Riley Creek gibt es neben dem asphaltierten beziehungsweise gekiesten Radweg auch angenehmere Waldwege. Der McKinley Station Trail war für uns beispielsweise deutlich netter als die Verbindung entlang der stärker befahrenen Zufahrtsstraße.

Riley Creek als Basis ohne Auto

Für uns war der Riley Creek Campground die sinnvollste Basis. Der Check-in befindet sich am Mercantile. Wir hatten eine B-Site reserviert und entschieden uns nach der Ankunft für Platz B49 im Wolf Loop. Von dort waren Toiletten, Food Storage Locker und die wichtigsten Wege gut erreichbar, ohne dass sich der Platz besonders belebt anfühlte.

Kostenloser Riley-Creek-Shuttle
Die kostenlosen Shuttles verbinden Bahnhof, Visitor Center, Bus Depot und Riley Creek.

Das Mercantile verkauft Snacks, Getränke und einige Campingartikel. Für einen kompletten Einkauf würde ich mich darauf allerdings nicht verlassen. Wir brachten den größten Teil unseres Essens bereits mit. Für ein Getränk, ein Eis oder eine vergessene Kleinigkeit war der Laden dagegen mehr als ausreichend.

Eine ausführliche Beschreibung des Campingplatzes, der verschiedenen Loops und der Einrichtungen gehört in den eigenen Riley-Creek-Artikel. Für die autofreie Planung ist vor allem wichtig: Der Campground liegt nah genug an Bus Depot, Visitor Center und Bahnhof, um auch frühe Abfahrten und einen Abreisetag mit Gepäck gut organisieren zu können.

Wie man ohne Auto tiefer in den Park kommt

Ein Auto hätte uns innerhalb des Nationalparks nur begrenzt geholfen. Private Fahrzeuge dürfen im Sommer lediglich den vorderen Teil der Park Road befahren. Wer weiter in den Park hineinmöchte, ist ohnehin auf einen Transit Bus oder eine geführte Tour angewiesen.

Wir machten zunächst die Tundra Wilderness Tour. Sie war für uns eine unkomplizierte Einführung, weil wir uns einfach in den Bus setzen und den Park mehrere Stunden lang mit einer erfahrenen Driver-Naturalist kennenlernen konnten. Im Nachhinein würde ich für weitere Fahrten wahrscheinlich den günstigeren grünen Transit Bus wählen. Er bietet weniger fortlaufende Erklärungen, hält aber ebenfalls für Tiere und gute Aussichten. Außerdem kann man unterwegs aussteigen und später versuchen, mit einem anderen Transit Bus weiter- oder zurückzufahren.

Die genauen Unterschiede, Preise und Vor- und Nachteile beschreibe ich ausführlicher im separaten Busvergleich. Für die Planung ohne Auto reicht zunächst die Erkenntnis, dass beide Systeme unabhängig von einem eigenen Fahrzeug funktionieren.

Unsere vier Nächte im Überblick

Am ersten vollen Tag machten wir die Tundra Wilderness Tour. Dadurch bekamen wir einen guten ersten Eindruck von der Landschaft, sahen verschiedene Wildtiere und verstanden besser, wie groß der Park eigentlich ist.

Grünes Zelt am Riley Creek Campground
Riley Creek war unsere praktische Basis für alle vier Nächte.

Am zweiten Tag wanderten wir am Parkeingang. Wir entschieden uns für Mount Healy. Der Weg führt zunächst durch den Wald und steigt später in vielen Serpentinen an. Nach ungefähr 550 Höhenmetern erreicht man den Vorgipfel mit einer weiten Aussicht über den vorderen Teil des Nationalparks. Im Wald war es angenehm warm, oben dagegen sehr windig und kühl.

Am dritten Tag nahmen wir an einem Discovery Hike teil. Dafür meldeten wir uns persönlich am Visitor Center an. Der Hike begann mit einer Busfahrt in den Park und führte anschließend ohne angelegten Weg durch knie- bis hüfthohe Vegetation, über nassen Boden und entlang des Savage River. Unser Ranger Jeff erklärte uns dabei viel über die Tundra, Beeren, Tierspuren und das selbstständige Wandern abseits der Wege.

Die Wanderung war nur wenige Meilen lang, trotzdem war sie durch das Gelände wesentlich anstrengender als eine vergleichbar lange Wanderung auf einem ausgebauten Trail. Am Abend waren wir entsprechend kaputt und ließen den restlichen Tag ruhig ausklingen.

Zwei, drei oder vier volle Tage?

Zwei volle Tage

Mit zwei Tagen würde ich einen Tag für eine längere Fahrt mit einem Transit Bus nach East Fork nutzen. Man kann die gesamte Strecke im Bus bleiben oder an einer geeigneten Stelle aussteigen und etwas laufen. Den zweiten Tag würde ich für eine Wanderung am Parkeingang oder am Savage River offenhalten. Mount Healy ist eine längere Option, Horseshoe Lake wesentlich kürzer und entspannter.

Drei volle Tage

Bei drei Tagen würde ich möglichst früh versuchen, einen Platz für einen Discovery Hike zu bekommen. Einen weiteren Tag würde ich für die längere Busfahrt und den dritten für eine Wanderung am Parkeingang oder Savage River verwenden. Die genaue Reihenfolge sollte meiner Meinung nach vom Wetter und vom verfügbaren Discovery Hike abhängen.

Park Road durch die offene Tundra
Weiter im Park bestimmt der Buszugang die Planung unabhängig vom eigenen Auto.

Vier volle Tage

Mit vier Tagen bleibt zusätzlich Zeit, einen Transit Bus für eine selbstständigere Wanderung zu nutzen oder bei schlechtem Wetter einen Plan zu verschieben. Gerade weil Denali selbst häufig hinter Wolken liegt, würde ich den Ablauf nicht vollständig festlegen. Ein zusätzlicher Tag erhöht schlicht die Chance, den Park bei unterschiedlichen Bedingungen zu erleben.

Wann ein Auto trotzdem helfen würde

Ein Auto wäre bei einem größeren Einkauf oder für eine flexiblere Anreise sicherlich praktisch. Man könnte außerdem an der Strecke zwischen Anchorage und Denali häufiger spontan anhalten. Vor Ort gewinnen die meisten Besucher dadurch meiner Meinung nach allerdings erstaunlich wenig.

Sobald man weiter als den öffentlich befahrbaren Teil der Park Road fahren möchte, braucht man ohnehin einen Parkbus. Rund um den Eingang funktionieren die kostenlosen Shuttles gut, und viele Einrichtungen liegen in Laufdistanz. Für uns war das Auto deshalb während der gesamten Reise kein entscheidender fehlender Baustein.

Mein Fazit

Der Denali-Nationalpark ist sehr gut ohne Auto machbar. Man muss Essen, Gepäck und die Busfahrten etwas bewusster planen, verliert innerhalb des Parks aber kaum Freiheit. Im Gegenteil: Wir konnten während der Anreise die Aussicht genießen und mussten uns weder um Straßen, Parkplätze noch um ein Mietfahrzeug kümmern.

Mit zwei Tagen bekommt man bereits einen guten Eindruck. Drei Tage ermöglichen zusätzlich einen Discovery Hike, und vier Tage geben genug Spielraum, um Wetter und eigene Energie zu berücksichtigen. Genau diese Flexibilität war für uns am Ende wichtiger als ein eigenes Auto.

Separat geprüft

Quellen