Seattle · Ein Birding-Moment
Der Vogel, den ich immer wieder verpasste, erschien in einem gewöhnlichen Vorgarten
Wochenlang hörte ich Steller’s Jays, ohne einen richtig zu sehen. Dann landete einer mit einer Erdnuss direkt vor mir.

Fünf Dinge zuerst
Kurz gesagt
- Das Ziel Ein Steller’s Jay, einer der Vögel, die ich am stärksten mit dem Pacific Northwest verband.
- Die Frustration Ich hörte sie wiederholt, bekam aber nie einen wirklich guten Blick.
- Der Ort Kein berühmter Birding-Spot, sondern der Vorgarten meiner Freundin.
- Das Foto Gutes Licht, ein freier Ast und eine Erdnuss, alles nur für wenige Sekunden.
- Was blieb Birding folgt nur selten dem Plan, mit dem man nach draussen gegangen ist.
Einer der Vögel, der mir bei meiner Suche nach den klassischen Arten Seattles am längsten fehlte, war der Steller’s Jay. In Seattle gibt es natürlich einige sehr schöne und interessante Vogelarten, aber gerade dieser auffällig blaue Jay war für mich von Anfang an ein besonderes Ziel. Er gehört für mich zu den klassischen Vögeln des Pacific Northwest und stand deshalb lange ziemlich weit oben auf meiner Bucket List.
So oft ich auch in den städtischen Parks, an der Küste, in Wohngebieten oder in den Wäldern außerhalb der Stadt unterwegs war: Ich fand viele interessante Vögel, aber ausgerechnet der Steller’s Jay ließ sich einfach nicht blicken.
Über Wochen ärgerte ich mich ein wenig darüber. Ich hörte ihn immer wieder an ähnlichen Orten und wusste teilweise ziemlich genau, dass irgendwo in der Nähe einer sein musste. Da sich die Vögel aber häufig zwischen dichtem Gestrüpp oder weiter oben in den Bäumen bewegten, bekam ich sie trotzdem nie richtig zu Gesicht. Andere Jay-Arten konnte ich während dieser Zeit durchaus beobachten. Irgendwann sah ich sogar einen Canada Jay, doch der eigentlich relativ häufige Steller’s Jay fehlte weiterhin auf meiner Liste.
Schließlich änderte sich das an einem eher unspektakulären Nachmittag. Ich war bei meiner Freundin zu Besuch, die mir schon häufiger erzählt hatte, dass bei ihr regelmäßig Steller’s Jays im Vorgarten auftauchten, gemeinsam mit einigen Rufous Hummingbirds. Ich saß gerade auf der Terrasse, als plötzlich tatsächlich einige Jays auftauchten.
Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei und konnte direkt reagieren. Auf einem kleinen Baum im Vorgarten saß dann endlich der Vogel, nach dem ich schon so lange gesucht hatte. Noch besser hätte die Situation eigentlich kaum sein können: Der Steller’s Jay saß relativ frei und schön im Licht auf einem Ast und hatte eine Erdnuss im Schnabel.
Viel Zeit ließ er mir allerdings nicht. Ich hatte nur einige Sekunden, um die Kamera hochzunehmen und ein paar Fotos zu machen. Kurz danach verschwand er bereits wieder mit seiner Erdnuss im Schnabel. Für einige wenige Aufnahmen hatte es aber gereicht.
Für mich war das wieder eine kleine Erinnerung daran, wie Birding häufig funktioniert. Man kann stundenlang gezielt nach einer bestimmten Art suchen, die vermeintlich perfekten Orte besuchen und immer wieder glauben, dass es diesmal klappen müsste. Und trotzdem passiert manchmal überhaupt nichts. Dann sitzt man einige Wochen später völlig ungeplant auf einer Terrasse und genau der Vogel, nach dem man die ganze Zeit gesucht hat, landet plötzlich direkt vor einem.
Der Steller’s Jay ist in Seattle eigentlich kein besonders seltener Vogel und viele Menschen in der Gegend sehen ihn regelmäßig. Ich hatte also wahrscheinlich einfach über längere Zeit Pech. Umso schöner war es, ihn schließlich doch noch zu finden – und ausgerechnet an einem Ort, an dem ich überhaupt nicht gezielt nach ihm gesucht hatte.
Art separat geprüft